Mach einen kurzen Test: Google deinen eigenen Firmennamen. Rechts (am Handy: ganz oben) erscheint ein Kasten mit deinem Namen, Öffnungszeiten, Fotos, Bewertungen, Anfahrt. Dieser Kasten ist für viele lokale Betriebe die meistgesehene Werbefläche, die sie besitzen. Öfter gesehen als die Website. Viel öfter als jeder Folder.

Und jetzt die unbequeme Frage: Wer hat diesen Kasten bei dir zuletzt angegriffen? Wenn die Antwort „niemand, seit Jahren“ lautet, bist du in bester Gesellschaft. Genau deshalb liegt hier so viel drin.

Zur Einordnung die kürzeste brauchbare Definition: Das Google Unternehmensprofil (früher Google My Business) ist der kostenlose Firmeneintrag, der in der Google-Suche und auf Google Maps erscheint und Öffnungszeiten, Fotos, Bewertungen, Leistungen und Beiträge deines Betriebs zeigt. Kostenlos, wohlgemerkt. Der Umsatzbringer, um den es hier geht, verlangt kein Werbebudget. Nur Aufmerksamkeit.

Warum dieser Eintrag über Umsatz entscheidet

Der Weg zum lokalen Kauf führt heute fast immer über die Suche. Fast die Hälfte aller Google-Suchen hat lokalen Bezug (Quelle: HubSpot, 2023), und wer lokal sucht, handelt schnell: 76 Prozent der „In der Nähe“-Suchen am Smartphone führen innerhalb eines Tages zu einem Geschäftsbesuch (Quelle: Think with Google, 2016).

Das Unternehmensprofil ist dabei die erste Begegnung mit deinem Betrieb. Und diese Begegnung entscheidet messbar: Laut Google halten Konsumenten Betriebe mit vollständigem Profil für 2,7-mal vertrauenswürdiger, besuchen sie mit 70 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit und kaufen dort mit 50 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit (Quelle: Google, 2023).

Lies die Zahlen noch einmal, langsam. Es geht nicht um ein paar Prozentpunkte Kosmetik. Es geht um den Unterschied zwischen „wird angerufen“ und „wird übersprungen“. Und der Hebel dafür ist keine Agenturleistung um Zehntausende Euro, sondern ein vollständig gepflegter Gratis-Eintrag.

Die Bestandsaufnahme: Wie dein Profil vermutlich gerade aussieht

Wir schauen beruflich in viele dieser Profile, quer durch Graz und die Steiermark. Das typische Bild:

  • Öffnungszeiten stimmen „im Prinzip“, nur Feiertage und der geänderte Samstag fehlen.
  • Drei Fotos, davon eines vom Vorbesitzer des Lokals, eines unscharf.
  • Bewertungen vorhanden, beantwortet wurde keine einzige.
  • Kategorie: die erstbeste von damals. Leistungen: leer. Beiträge: nie genutzt.

Jede dieser Lücken kostet. Falsche Öffnungszeiten produzieren verärgerte Menschen vor verschlossener Tür, und die schreiben dann die Ein-Stern-Bewertung, die du in fünf Jahren noch hast. Fehlende Fotos heißen: Google zeigt irgendwas, zum Beispiel das Streetview-Bild deiner Fassade bei Regen.

So wird das Profil zum Verkäufer: die 7 Stellschrauben

1. Vollständigkeit, wirklich

Jedes Feld, das Google anbietet, ist eine Chance, gefunden und gewählt zu werden: Kategorien (Haupt- und Nebenkategorien!), Leistungen, Attribute, Telefonnummer, Website, Terminlink. Nimm dir eine Stunde und füll alles aus. Diese eine Stunde schlägt jede gleichteure Werbemaßnahme.

2. Die richtige Kategorie

Die Hauptkategorie ist das stärkste Ranking-Signal im Profil. „Restaurant“ ist schwächer als „Steirisches Restaurant“, wenn Menschen genau das suchen. Schau, welche Kategorien die bestplatzierten Mitbewerber verwenden, und wähle so präzise wie möglich.

3. Fotos, die nach heute aussehen

Regelmäßig eigene Fotos hochladen: Team, Räume, Produkte, Arbeit im Entstehen. Menschen entscheiden visuell, ob sie sich bei dir aufgehoben fühlen, lange bevor sie einen Text lesen. Und ein Profil mit frischen Bildern signalisiert: Hier ist jemand da.

4. Bewertungen aktiv managen

Bewertungen sind das Herzstück des Profils, so wichtig, dass wir ihnen einen eigenen Artikel gewidmet haben. Die Kurzfassung: aktiv und systematisch sammeln, jede Bewertung beantworten, auch und gerade die kritischen.

5. Beiträge nutzen wie ein Schaufenster

Über Beiträge kannst du Aktuelles direkt ins Profil stellen: Angebote, Events, Neuigkeiten. Kaum ein Betrieb macht das, dabei ist es das digitale Pendant zur Schaufenstergestaltung, und es zeigt Google wie Menschen, dass der Betrieb lebt.

6. Fragen zuvorkommen

Im Profil gibt es einen Fragen-und-Antworten-Bereich, in dem jeder öffentlich fragen und, Achtung, jeder antworten kann. Stell die häufigsten Fragen selbst hinein und beantworte sie selbst: Parkplätze, Barrierefreiheit, Zahlungsarten, Terminvergabe. Sonst tut es irgendwann jemand anderer, mit weniger Sorgfalt.

7. Aktualität als Dauerauftrag

Urlaubszeiten, Feiertagsöffnungszeiten, neue Leistungen: Alles, was sich ändert, gehört sofort ins Profil. Am besten fix als Monatsroutine verankern, fünfzehn Minuten reichen. Das Profil ist kein Eintrag, es ist ein Kanal.

Drei Missverständnisse, die dich Sichtbarkeit kosten

„Das haben wir eh mal angelegt.“ Angelegt ist nicht gepflegt. Google bevorzugt nachweislich aktive Profile, und Nutzer erst recht. Ein Eintrag mit Fotos von 2019 erzählt eine Geschichte, nur leider die falsche: Hier kümmert sich niemand. Das färbt direkt auf die Erwartung ab, wie sich dieser Betrieb wohl um Kunden kümmert.

„Wir haben eine Website, das reicht.“ Website und Profil haben verschiedene Jobs. Die Website überzeugt, wenn jemand schon bei dir ist; das Profil entscheidet, ob er überhaupt hinkommt. Bei vielen lokalen Suchen zeigt Google die Karte mit drei Betrieben über allen Website-Ergebnissen. Wer dort fehlt, verliert den Erstkontakt an die Nachbarschaft, ganz gleich wie schön die eigene Website ist.

„Da rufen dauernd welche an, die Geld dafür wollen.“ Stimmt leider, und diese Anrufe sind fast immer unseriös. Niemand von Google ruft dich an, um dein Profil „freizuschalten“ oder „zu verlängern“. Der Eintrag ist kostenlos, die Verwaltung machst du selbst oder eine Agentur deines Vertrauens. Wer mit Fristen und Drohkulissen arbeitet, will genau ein Geschäft: deines nicht.

Übrigens lohnt auch ein Blick auf die Statistik im Profil selbst: Google zeigt dir, wie oft du gefunden wurdest, mit welchen Suchbegriffen, wie viele Anrufe und Routenplanungen der Eintrag ausgelöst hat. Für viele Betriebe ist das die erste ehrliche Antwort auf die Frage, wo ihre Kunden digital wirklich herkommen, und ein gutes Argument, die Stunde Pflege pro Monat ernst zu nehmen.

Der Blick nach vorn: Dein Profil spricht mit der KI

Ein Grund mehr, das Thema jetzt ernst zu nehmen: Wenn Menschen ChatGPT oder Google nach „gutem Friseur in Graz-Geidorf“ fragen, speisen sich die Antworten der KI-Systeme auch aus den Daten der Unternehmensprofile, aus Bewertungen, Kategorien, Beschreibungen. Ein gepflegtes Profil erhöht die Chance, in diesen Antworten aufzutauchen. Ein verwaistes macht dich für die nächste Generation der Suche unsichtbar.

Das Google Unternehmensprofil ist damit der seltene Fall im Marketing: maximaler Effekt, null Mediabudget, überschaubarer Aufwand. Es verlangt nur eines, das in vielen Betrieben knapper ist als Geld: dass sich jemand zuständig fühlt.

Wenn du diesen Jemand lieber extern hast, eingebettet in eine lokale Strategie aus Profil, Website und Bewertungen, dann schau bei unserer Marketing-Agentur in Graz vorbei.

Häufige Fragen

Was kostet das Google Unternehmensprofil?
Nichts, der Eintrag ist komplett kostenlos. Google verdient an Werbung, nicht am Profil. Vorsicht übrigens bei Anrufen dubioser „Google-Partner“, die für die Eintragung Geld verlangen: Anlegen und Verwalten kannst du das Profil jederzeit selbst unter business.google.com.

Wie hilft das Google Unternehmensprofil beim Ranking in der lokalen Suche?
Es ist die Grundlage des lokalen Rankings: Google bewertet Relevanz (Kategorien, Leistungen, Beschreibung), Entfernung und Bekanntheit (unter anderem Bewertungen). Ein vollständiges, aktives Profil mit guten Bewertungen erhöht deine Chancen auf einen Platz im begehrten Karten-Dreierpack der Suchergebnisse deutlich.

Wie viele Fotos und Beiträge braucht mein Profil?
Es gibt keine magische Zahl, aber eine klare Richtung: mehr eigene, aktuelle Fotos als der Mitbewerb und mindestens ein Lebenszeichen pro Monat. Betriebe mit vollständigen, aktiv gepflegten Profilen werden laut Google deutlich öfter besucht und bevorzugt, weil sie vertrauenswürdiger wirken.

Was ist der Unterschied zwischen Google My Business und Google Unternehmensprofil?
Nur der Name: Google hat „Google My Business“ 2021/2022 in „Google Unternehmensprofil“ (Google Business Profile) umbenannt und die Verwaltung direkt in Suche und Maps verlagert. Funktion und Nutzen sind gleich geblieben, die separate App wurde eingestellt.

Quellen

  • Think with Google, 2016: https://www.thinkwithgoogle.com/consumer-insights/consumer-trends/mobile-location-searches-to-store-visit-data/
  • HubSpot, 2023: https://blog.hubspot.com/marketing/local-seo-stats
  • Google, 2023: https://business.google.com/us/business-profile/

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