Du willst eine Agentur beauftragen, also machst du das Naheliegende: Du googelst „Werbeagentur Graz Kosten“ – und findest genau nichts. Schöne Referenzen, große Versprechen, aber keine einzige Zahl. Erst nach drei Erstgesprächen und zwei Wochen Wartezeit weißt du, was der Spaß kosten soll. Und dann liegen drei Angebote vor dir, die sich um das Dreifache unterscheiden.
Dieser Artikel erspart dir einen Teil dieser Runde. Hier stehen die Zahlen, die am Grazer Markt tatsächlich aufgerufen werden, welche Preismodelle dir begegnen werden und woran du erkennst, welches der drei Angebote wirklich das beste ist. Spoiler: Es ist selten das billigste, aber auch nicht automatisch das teuerste.
Stundensätze in Graz: die ehrliche Bandbreite
Zuerst das Wichtigste: Es gibt keine offiziellen Tarife. Die Wirtschaftskammer hat alle Honorarrichtlinien der Branche aufgehoben, weil Preisempfehlungen kartellrechtlich verboten sind (Quelle: WKO). Jede Agentur kalkuliert selbst – und der Markt ist riesig: Österreichweit zählt die Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation 29.825 aktive Mitglieder (Quelle: WKO Statistik). Vom Ein-Personen-Grafikstudio im Hinterhof bis zur Full-Service-Agentur mit 40 Leuten läuft alles unter demselben Etikett. Genau deshalb sind die Preisunterschiede so groß.
Zur Orientierung: In Österreich liegen die Stundensätze von Werbeagenturen zwischen rund 60 und 180 Euro, im Schnitt bei etwa 130 Euro – wobei Graz tendenziell etwas günstiger ist als Wien (Quelle: AgenturFinder, 2026). Für den Grazer und steirischen Markt kannst du realistisch mit diesen Spannen rechnen:
- Grafik und Umsetzung: 90 bis 120 Euro pro Stunde
- Text, Content, Social Media: 90 bis 130 Euro
- Videoproduktion und Schnitt: 100 bis 140 Euro
- Konzept, Strategie, Beratung: 120 bis 160 Euro
Wenn dir jemand 50 Euro pro Stunde anbietet, ist das kein Glücksfall, sondern ein Warnsignal. Bei diesem Satz bleibt nach Abzug von Lohnnebenkosten, Büro, Software und Leerlauf schlicht nichts übrig, mit dem man erfahrene Leute halten kann. Du bekommst dann entweder Praktikanten-Arbeit oder eine Stundenschätzung, die später „leider doch höher“ ausfällt.
Die vier Preismodelle, die dir begegnen werden
Abrechnung nach Stunden. Fair bei kleinen, schwer planbaren Aufgaben. Der Haken: Du trägst das Risiko. Wird es aufwendiger, wird es teurer. Frag immer nach einer Deckelung oder zumindest nach einer Info-Pflicht ab einer bestimmten Stundenanzahl.
Projektpauschale. Ein fixer Preis für ein definiertes Ergebnis: neuer Markenauftritt, eine Kampagne, ein Video. Für dich das planbarste Modell – vorausgesetzt, der Leistungsumfang ist sauber beschrieben. Steht im Angebot nur „Erstellung Corporate Design“, ohne Anzahl der Entwürfe und Korrekturschleifen, ist die Pauschale das Papier nicht wert.
Retainer. Ein monatlicher Fixbetrag für laufende Betreuung, etwa Social Media oder Content-Produktion. Sinnvoll, wenn kontinuierlich gearbeitet wird, weil die Agentur planbar Kapazität für dich reserviert und du meist einen besseren effektiven Stundensatz bekommst als bei Einzelbeauftragung.
Tagessätze. Üblich bei Drehtagen, Workshops und Schulungen. In der Steiermark bewegen sich Agentur-Tagessätze grob zwischen 800 und 1.500 Euro, je nach Seniorität und Gewerk.
Welches Modell für dich passt, hängt weniger von der Agentur ab als von deiner Aufgabe: einmaliges Projekt mit klarem Ende – Pauschale. Laufende Arbeit – Retainer. Kleinkram und Unplanbares – Stunden mit Deckel. Wie diese Modelle grundsätzlich funktionieren und wo ihre Fallen liegen, haben wir im Artikel „Was gute Arbeit kostet: Agenturpreise verstehen“ im Detail zerlegt.
Was typische Projekte in Graz kosten
Damit du die Angebote einordnen kannst, hier realistische Größenordnungen für den steirischen Markt. Keine Preisliste, sondern Erfahrungswerte – dein konkretes Projekt kann darüber oder darunter liegen:
Markenauftritt und Corporate Design: Logo, Farben, Schriften, Grundausstattung an Vorlagen – ab etwa 5.000 Euro bei kleinen Studios, 8.000 bis 20.000 Euro bei Agenturen mit strategischem Vorlauf. Der Unterschied liegt selten in der Optik, sondern darin, ob vorher jemand über Positionierung nachgedacht hat.
Social-Media-Betreuung: Laufende Betreuung mit Strategie, Content-Produktion und Community Management kostet in Graz realistisch 1.500 bis 4.000 Euro pro Monat, je nach Kanalanzahl und Produktionsaufwand. Alles deutlich darunter ist meist reines Posten ohne Konzept.
Videoproduktion: Ein professionell produziertes Kurzvideo mit Konzept, Drehtag und Schnitt liegt zwischen 1.500 und 5.000 Euro, aufwendige Imagefilme oder Recruiting-Videos auch darüber. Wer regelmäßig Videos braucht, fährt mit einem monatlichen Produktionspaket fast immer günstiger als mit Einzelbeauftragungen.
Kampagne: Konzept, Kreation und Umsetzung einer regionalen Kampagne beginnen bei etwa 5.000 Euro und gehen je nach Umfang deutlich nach oben – plus Mediabudget, das extra läuft. Was die einzelnen Werbekanäle selbst kosten, findest du im Überblick „Was kostet Werbung? Der ehrliche Überblick für KMU“.
Warum das billigste Angebot selten das günstigste ist
Die Rechnung klingt banal, wird aber ständig ignoriert: Ein Logo um 500 Euro, das nach zwei Jahren neu gemacht werden muss, kostet mehr als eines um 4.000 Euro, das zehn Jahre trägt – weil du beim zweiten Mal nicht nur das Logo zahlst, sondern auch neue Drucksorten, neue Beschriftungen, neue Vorlagen und den Wiedererkennungswert, den du gerade aufgebaut hattest.
Dasselbe gilt für die Betreuung um 400 Euro im Monat, die keine messbaren Anfragen bringt: Sie ist keine Ersparnis, sondern ein Abo für Wirkungslosigkeit. Die ausführliche Version dieser Rechnung findest du im Artikel „Warum billige Agenturen am Ende die teuersten sind“.
So vergleichst du Angebote, ohne auf die Nase zu fallen
Drei Angebote, drei Preise – und vermutlich drei völlig verschiedene Leistungsumfänge. Damit der Vergleich funktioniert, brauchst du vier Handgriffe:
1. Rechne auf denselben Umfang um. Wie viele Konzeptvarianten sind drin? Wie viele Korrekturschleifen? Wie viele Drehtage, wie viele Postings pro Monat? Erst wenn du das nebeneinanderlegst, vergleichst du Preise. Vorher vergleichst du nur Zahlen.
2. Frag nach dem effektiven Stundensatz. Teile den Pauschalpreis durch die geschätzten Stunden. Kommt dabei ein Satz unter 80 Euro heraus, kalkuliert die Agentur entweder zu knapp oder sie plant, an anderer Stelle nachzuverrechnen. Kommt einer über 200 Euro heraus, darf sie dir erklären, warum.
3. Klär die Nebenkosten vorab. Nutzungsrechte, Lizenzgebühren für Schriften und Musik, Fahrtkosten, Fremdleistungen wie Druck oder Fotografie: Genau hier entstehen die Überraschungen auf der Schlussrechnung. Ein seriöses Angebot listet das auf, bevor du fragst.
4. Bewerte das Gespräch, nicht nur das PDF. Hat die Agentur nach deinen Zielen gefragt, nach deinen Kunden, nach deinen bisherigen Erfahrungen? Oder hat sie sofort Leistungen aufgezählt? Wer im Erstgespräch nicht zuhört, wird es im Projekt auch nicht tun – egal, was im Angebot steht.
Und ein letzter Punkt, der in Graz besonders zählt: Der Markt hier ist überschaubar. Man kennt sich, man trifft sich, und der Ruf einer Agentur ist zwei Anrufe entfernt. Nutz das. Frag Unternehmer aus deinem Umfeld, mit wem sie arbeiten und ob sie es wieder tun würden. Diese Referenz ist mehr wert als jede Hochglanz-Case-Study.
Wenn du für dein Projekt eine ehrliche Zahl willst, bevor du drei Wochen Angebotsrunden drehst: Meld dich bei uns. Wir sagen dir auch, wenn sich etwas für dich nicht rechnet – das ist billiger für dich und auf Dauer besser für uns.
Häufige Fragen
Was kostet eine Werbeagentur in Graz pro Stunde?
Am Grazer Markt liegen die Stundensätze je nach Leistung und Erfahrung meist zwischen 90 und 160 Euro: Umsetzungsarbeiten am unteren Ende, Strategie und Konzeption am oberen. Österreichweit liegt der Durchschnitt bei rund 130 Euro pro Stunde. Deutlich niedrigere Sätze sind fast immer ein Hinweis auf unerfahrene Umsetzung oder spätere Nachverrechnung.
Ist eine Werbeagentur in Graz günstiger als in Wien?
Tendenziell ja. Niedrigere Büro- und Personalkosten schlagen sich in den Stundensätzen nieder, bei vergleichbarer Qualität. Dazu kommt ein praktischer Vorteil: kurze Wege für Drehs, Abstimmungen und Termine. Für regionale Kampagnen bringt eine Grazer Agentur außerdem Marktkenntnis mit, die eine Wiener Agentur erst aufbauen müsste.
Welches Preismodell ist für kleine Unternehmen am sinnvollsten?
Für einmalige Projekte mit klarem Ergebnis ist die Pauschale am sichersten, weil du den Endpreis vorher kennst. Für laufende Arbeit wie Social Media ist ein Retainer meist günstiger als Einzelbeauftragungen. Reine Stundenabrechnung solltest du nur mit Kostendeckel akzeptieren, sonst trägst du das gesamte Aufwandsrisiko allein.
Woran erkenne ich ein seriöses Agenturangebot?
An der Detailtiefe: Ein gutes Angebot beschreibt den Leistungsumfang konkret, nennt die Anzahl der Korrekturschleifen, listet Nebenkosten wie Lizenzen und Nutzungsrechte auf und trennt Agenturleistung sauber vom Mediabudget. Fehlen diese Angaben, vergleichst du keine Preise, sondern Wunschvorstellungen – und zahlst die Differenz später.
Quellen
- AgenturFinder, 2026 (Stundensätze Werbeagenturen Österreich: 60–180 Euro, Ø ca. 130 Euro): https://agenturfinder.com/werbeagentur-preise/
- WKO Statistik, Fachgruppe Werbung und Marktkommunikation (29.825 aktive Mitglieder): https://www.wko.at/stmk/information-consulting/werbung-marktkommunikation/start
- WKO, Wert von Kreativleistungen (Aufhebung der Honorarrichtlinien aus kartellrechtlichen Gründen): https://www.wko.at/oe/information-consulting/werbung-marktkommunikation/wert-von-kreativleistungen
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