Es gibt derzeit zwei Sorten von Agentur-Websites. Die einen haben über Nacht „AI-first“ in jede Überschrift geschrieben und versprechen die Revolution im Abo. Die anderen tun so, als wäre nichts passiert, und hoffen, dass die Sache vorbeizieht wie ein Sommergewitter.
Beide erzählen dir nicht die Wahrheit. Die ist nämlich unspektakulärer und interessanter zugleich. Deshalb hier der Versuch eines ehrlichen Werkstattberichts: was KI in der Agenturarbeit bei uns tatsächlich verändert hat, was nicht, und woran du erkennst, ob deine Agentur das Thema im Griff hat oder nur davon redet.
Erst die Einordnung: alle reden, wenige arbeiten damit
Zur Erinnerung, wie jung das alles ist: 2024 nutzten laut Statistik Austria rund 20 Prozent der österreichischen Unternehmen KI-Technologien, fast doppelt so viele wie im Jahr davor (Quelle: Statistik Austria, 2024). Die Kurve zeigt steil nach oben, aber sie startet niedriger, als das Marketing-Getöse vermuten lässt. Die meisten Betriebe experimentieren noch. Das gilt auch für viele Agenturen, nur geben die es ungern zu.
Unsere Grundregel ist einfach: KI ist ein Werkzeug, kein Ersatz. Sie verändert, wie schnell wir bestimmte Arbeitsschritte erledigen. Sie verändert nicht, was gute Arbeit ist. Der Maßstab, ob eine Idee trägt, ein Text sitzt, ein Video berührt, bleibt exakt derselbe wie vor drei Jahren.
Was wir nutzen
Konkret, ohne Nebel:
Recherche und Vorarbeit. Märkte durchleuchten, Studien zusammenfassen, Interviews transkribieren, Wettbewerbsauftritte systematisch vergleichen. Was früher zwei Tage Fleißarbeit war, dauert heute einen halben. Wichtig: Die KI liefert Rohmaterial, keine Wahrheit. Jede Zahl, die in ein Konzept oder einen Artikel wandert, wird von einem Menschen an der Quelle geprüft.
Rohfassungen und Varianten. Erste Textentwürfe, zwanzig Headline-Varianten als Denkanstoß, alternative Formulierungen für eine Passage, die hakt. Die KI ist dabei so etwas wie ein unermüdlicher Junior: schnell, fleißig, manchmal überraschend, oft banal. Was sie liefert, ist Ausgangsmaterial für Handwerk, nie Endprodukt. Den Unterschied merkt man übrigens: Unbearbeitete KI-Texte klingen wie laminiert, glatt und alle gleich.
Moodboards und Layout-Zwischenschritte. Bildwelten skizzieren, bevor der echte Dreh geplant wird. Visualisieren, wie eine Kampagnenidee aussehen könnte, damit der Kunde nicht in abstrakte Beschreibungen investieren muss. Das ersetzt keinen Fotografen; es macht Entscheidungen früher und billiger.
Untertitel, Schnittassistenz, Übersetzungen. Die unglamouröse Seite der Videoproduktion ist deutlich schneller geworden: Transkription, Rohuntertitel, erste Grobauswahl in langen Aufnahmen. Die Sekunden, die ein Reel gut machen, wählt weiterhin ein Mensch mit Gespür für Timing.
Was wir nicht nutzen
Genauso konkret:
Keine KI-Strategie. Positionierung entsteht aus Gesprächen, Widerspruch, Marktkenntnis und dem Mut, etwas wegzulassen. Eine KI kann Optionen aufzählen; sie kann nicht wissen, welcher Satz in deinem Betrieb wahr ist und welcher nur gut klingt. Strategie aus dem Chatbot ist der neue Baukasten-Businessplan: formal vollständig, praktisch wertlos.
Keine künstlichen Menschen. Wir generieren keine KI-Gesichter, die deine Mitarbeiter spielen, keine synthetischen Kundenstimmen und keine gefälschten Vorher-nachher-Bilder. Der Grund ist nicht Nostalgie, sondern Wirkung: Das wertvollste Gut deiner Marke ist Glaubwürdigkeit, und die entsteht vor der Kamera, nicht im Prompt. Unsere reichweitenstärksten Videos, darunter ein Reel für Messner mit 172.000 Views, funktionieren, weil echte Menschen an echten Orten zu sehen sind. Genau das kann KI nicht liefern, und genau das merkt das Publikum.
Keine ungeprüften Fakten. KI-Systeme erfinden Zahlen, Quellen und Zitate, freundlich formuliert: Sie halluzinieren. Alles Faktische läuft deshalb durch menschliche Prüfung, ausnahmslos.
Keine Kundendaten in offene Systeme. Interna, Zahlen und unveröffentlichte Projekte haben in öffentlichen KI-Tools nichts verloren. Klingt selbstverständlich, ist es in der Branche leider nicht.
Diese Grenzen stehen bei uns übrigens nicht auf einem Poster im Gang, sondern in einer schlichten internen Regel: Alles, was das Publikum zu sehen bekommt, hat ein Mensch verantwortet, geprüft und für gut befunden. Nicht aus Prinzipienreiterei, sondern weil am Ende unser Name draufsteht. Und deiner.
Die ehrliche Antwort auf die Preisfrage
„Wenn KI euch schneller macht, wird’s dann billiger?“ Faire Frage. Die ehrliche Antwort: teilweise. Arbeitsschritte, die durch KI schneller gehen, kalkulieren wir entsprechend, alles andere wäre unseriös. Aber der Kern der Arbeit, also Strategie, Idee, Handwerk, Drehtage, Abstimmung, ist nicht schneller geworden, teils sogar aufwendiger, weil die Flut an mittelmäßigem Content die Messlatte für auffällige Arbeit höher legt.
Das ist vielleicht die wichtigste Verschiebung überhaupt: KI senkt die Kosten für Durchschnitt auf fast null. Jeder kann jetzt in Minuten produzieren, was okay aussieht und okay klingt. Damit ist „okay“ wertlos geworden. Was knapp bleibt und damit wertvoller wird: eigene Gedanken, echte Gesichter, ein erkennbarer Ton. Langweilig war schon immer teuer. Jetzt ist es auch noch beliebig kopierbar.
Was das für dich als Auftraggeber bedeutet
Aus alldem folgen drei praktische Konsequenzen für die Zusammenarbeit mit jeder Agentur, nicht nur mit uns:
Erstens: Kauf keine Stunden mehr, kauf Ergebnisse. Wenn Arbeitsschritte durch KI schneller werden, verliert der reine Stundensatz als Maßstab an Aussagekraft. Sinnvoller ist es, über Pakete und Ergebnisse zu reden: Was ist fertig, bis wann, in welcher Qualität? Das schützt dich vor beiden Extremen, dem Anbieter, der KI-Tempo zu Handarbeitspreisen verrechnet, und dem, der mit Dumpingpreisen wirbt und ungeprüfte Maschinenware liefert.
Zweitens: Der Preisunterschied erklärt sich jetzt anders. Wenn dir jemand eine komplette Kampagne zum Preis eines Mittagessens anbietet, weißt du seit KI ziemlich genau, was du bekommst: das, was jeder bekommt. Der Aufpreis für gute Arbeit war früher zum Teil Fleiß. Heute ist er fast ausschließlich Urteilskraft, Erfahrung und Zugang zu echten Menschen und echten Geschichten. Das ist eine ehrlichere Rechnung als je zuvor.
Drittens: Dein eigener Beitrag wird wichtiger, nicht unwichtiger. Die Zutaten, die KI nicht liefern kann, liegen in deinem Betrieb: die Gesichter, die Anekdoten, die Details aus dreißig Jahren Handwerk. Agenturen, die damit arbeiten dürfen, produzieren Unverwechselbares. Agenturen, die nur ein Logo und eine Preisliste bekommen, produzieren zwangsläufig das, was die Maschine hergibt. Die Entscheidung, welche Sorte Marketing du bekommst, fällt also auch bei dir.
Fünf Fragen an deine Agentur
Wenn du wissen willst, wie es deine (künftige) Agentur mit KI hält, stell diese Fragen und hör genau hin:
- Wofür nutzt ihr KI konkret, bei welchen Arbeitsschritten? Vage Antworten („Wir setzen auf innovative Tools“) sind ein schlechtes Zeichen, in beide Richtungen.
- Was liefert ihr mir, das keine KI kann? Wer darauf keine klare Antwort hat, hat ein Geschäftsmodell-Problem, das bald deines wird.
- Wie stellt ihr sicher, dass Fakten stimmen? Es gibt nur eine richtige Antwort: menschliche Prüfung an der Quelle.
- Was passiert mit meinen Daten? Firmeninterna gehören nicht in öffentliche Systeme.
- Sagt ihr mir, wo KI im Spiel war? Transparenz auf Nachfrage ist das Minimum; von sich aus offenlegen ist besser.
Eine Agentur, die diese fünf Fragen souverän beantwortet, nutzt KI vermutlich genau richtig: als Werkzeug im Maschinenraum, nicht als Ersatz für das, wofür du sie bezahlst.
Falls du Lust auf eine Zusammenarbeit hast, in der du solche Antworten ungefragt bekommst: Wir zeigen dir gern, wie wir arbeiten. Mit Werkzeugkasten, aber ohne Buzzword-Bingo.
Häufige Fragen
Wofür nutzen Agenturen KI sinnvoll?
Für Recherche, Transkription, Rohfassungen, Varianten-Erstellung, Moodboards, Untertitel und andere vorbereitende oder repetitive Arbeitsschritte. Dort spart KI spürbar Zeit, ohne die Qualität zu gefährden. Strategie, finale Texte, Gestaltungsentscheidungen und alles, was Glaubwürdigkeit trägt, bleiben Menschenarbeit.
Werden Agenturleistungen durch KI billiger?
Teilweise: Arbeitsschritte, die schneller gehen, sollten sich in der Kalkulation niederschlagen. Der Kern der Arbeit (Strategie, Idee, Produktion, Abstimmung) wird durch KI aber nicht schneller. Gleichzeitig steigt der Anspruch, weil generischer Content überall verfügbar ist und Marken sich stärker abheben müssen als zuvor.
Sollten Unternehmen KI-generierte Bilder von Menschen einsetzen?
Für Markenkommunikation raten wir ab: Synthetische Gesichter und gestellte KI-Szenen untergraben genau das Vertrauen, das Marketing aufbauen soll, und das Publikum erkennt sie zunehmend. Echte Mitarbeiter, echte Orte und echte Abläufe wirken stärker, gerade bei Video. Für interne Skizzen und Moodboards sind KI-Bilder dagegen ein nützliches Werkzeug.
Ersetzt KI die Videoproduktion, etwa für Reels?
Nein. KI beschleunigt Nebenarbeiten wie Untertitel, Transkription und Vorauswahl, aber die Wirkung eines Reels entsteht am Drehtag: echte Menschen, gutes Timing, ein Gespür für den Moment. Eine Reel Agentur oder Videoagentur in Graz, die ihr Handwerk versteht, nutzt KI im Hintergrund und dreht vorne trotzdem echt.
Quellen
- Statistik Austria, 2024: https://www.statistik.at/fileadmin/announcement/2024/10/20241016IKTU2024.pdf
Reden wir über dein Marketing.
Wenn du beim Lesen an dein eigenes Unternehmen gedacht hast: Genau dafür sind wir da. Stell uns deine Frage, wir melden uns ehrlich zurück. Ohne Verkaufsfolien, ohne Agentur-Theater.




