Irgendwann erwischt es jede Geschäftsführung. Man sitzt im Auto, hört einen Podcast, und der Gedanke schleicht sich ein: Das könnten wir auch. Wir hätten ja genug zu erzählen. Ein Mikrofon kostet nicht die Welt, reden können wir alle.
Und genau so entstehen sie: Firmenpodcasts mit sieben Folgen. Folge eins: „Wer wir sind.“ Folge sieben: Stille. Seit 14 Monaten. Der Friedhof der abgebrochenen Unternehmenspodcasts ist groß, und er wächst jede Woche.
Dabei ist die Idee nicht falsch. Sie wird nur meistens falsch begonnen. Schauen wir uns das ehrlich an.
Warum Podcasts gerade jetzt interessant sind
Zuerst die Fakten, denn die sprechen tatsächlich für das Medium. In Österreich hören mittlerweile 43 Prozent der Bevölkerung Podcasts, Tendenz steigend. Bei den 15- bis 29-Jährigen sind es bereits 67 Prozent, ein Sprung von zehn Prozentpunkten in nur einem Jahr (Quelle: RTR Online-Audio-Monitor Austria, 2025). Podcasts sind kein Nischenhobby mehr. Sie sind Alltagsbegleiter beim Pendeln, Kochen, Laufen.
Und sie haben eine Eigenschaft, die kein anderes Format bietet: Zeit. Ein Reel bekommt 30 Sekunden deiner Zielgruppe. Ein Podcast bekommt 30 Minuten. Freiwillig. Ohne Wegscrollen. Wer eine halbe Stunde lang der Stimme deines Unternehmens zuhört, baut eine Vertrautheit auf, die keine Anzeige der Welt kaufen kann. Es ist der Unterschied zwischen jemandem, der dir im Vorbeigehen zunickt, und jemandem, der sich zu dir an den Tisch setzt.
Das ist die Chance. Jetzt zur unbequemen Seite.
Die ehrliche Rechnung: Was ein Podcast wirklich kostet
Das Mikrofon ist das billigste an der ganzen Sache. Die wahren Kosten stecken woanders:
- Themenplanung: Jede Folge braucht einen Anlass, einen roten Faden, eine Erkenntnis für die Hörer. Das ist Redaktionsarbeit, keine Plauderei.
- Aufnahme: Zwei Stunden pro Folge, wenn es gut läuft. Mit Gästen: Terminkoordination dazu.
- Schnitt und Nachbearbeitung: Rausschneiden, was langweilt. Pegel angleichen. Intro drauf. Nochmal zwei bis vier Stunden.
- Vermarktung: Der größte blinde Fleck. Ein Podcast hat keinen Algorithmus, der ihn Fremden vorschlägt wie Instagram oder TikTok. Jede Folge braucht eigene Werbung: Schnipsel als Reels, Zitate für LinkedIn, Hinweise im Newsletter. Wer das weglässt, sendet ins Leere.
Realistisch bist du bei einem vollen Arbeitstag pro Folge. Bei zwei Folgen im Monat sind das 24 Arbeitstage im Jahr. Die Frage ist also nicht „Können wir einen Podcast machen?“, sondern „Ist das die beste Verwendung von 24 Arbeitstagen?“
Die drei Fragen, die vor der ersten Folge beantwortet sein müssen
Erstens: Für wen genau? „Für unsere Kunden und alle, die sich für uns interessieren“ ist keine Antwort, das ist eine Ausrede. Ein guter Unternehmenspodcast hat eine Zielgruppe, die man beim Namen nennen kann: Einkaufsleiter in der Industrie. Junge Hausbauer in der Steiermark. HR-Verantwortliche im Handel. Je schärfer die Zielgruppe, desto klarer die Themen.
Zweitens: Warum sollte diese Zielgruppe zuhören? Niemand abonniert einen Podcast, um Werbung zu hören. Die Währung ist Nutzen oder Unterhaltung, idealerweise beides. Der Steuerberater, der jeden Monat die wichtigste Gesetzesänderung in zehn Minuten erklärt, hat einen Grund zu existieren. Der Podcast, in dem sich die Geschäftsleitung selbst interviewt, nicht.
Drittens: Wer hält das zwei Jahre durch? Ein Podcast wirkt langsam. Die Hörerschaft wächst über Empfehlungen, Folge für Folge. Wer nach zehn Folgen aufgibt, hat die gesamte Investition abgeschrieben, kurz bevor sie zu arbeiten beginnt. Ohne eine Person im Haus, die das Projekt liebt und verantwortet, wird das nichts.
Wann ein Podcast fürs Unternehmen sinnvoll ist
Es gibt Konstellationen, in denen ein Corporate Podcast ein hervorragendes Werkzeug ist:
- Erklärungsbedürftiges B2B-Geschäft mit langen Entscheidungswegen. Wenn deine Kunden monatelang evaluieren, ist ein Podcast der Kanal, der dich in dieser Zeit im Ohr hält. Wortwörtlich.
- Recruiting und Employer Branding. Bewerber wollen wissen, wie es bei dir wirklich zugeht. Mitarbeiter, die über ihre Arbeit reden, sind glaubwürdiger als jede Karriereseite.
- Netzwerkaufbau über Gäste. Der unterschätzte Trick: Lade deine Wunschkunden als Gäste ein. Ein Interviewtermin öffnet Türen, die für einen Verkaufstermin verschlossen bleiben. Selbst mit wenigen hundert Hörern pro Folge kann sich der Podcast so rechnen, weil die wichtigsten Hörer im Studio sitzen.
Fällt dein Unternehmen in keine dieser Kategorien, ist die Antwort meistens: Zeitfresser. Dann bringt dieselbe Energie in Reels, LinkedIn oder einen Newsletter investiert schlicht mehr.
Der Mittelweg, den kaum jemand kennt
Zwischen „eigener Podcast“ und „gar kein Audio“ gibt es eine Abkürzung, die oft klüger ist: Sei Gast statt Gastgeber. In Österreich gibt es zu fast jeder Branche etablierte Podcasts, die laufend interessante Gesprächspartner suchen. Ein Gastauftritt kostet dich zwei Stunden, bringt dich vor eine fertige Hörerschaft und zeigt dir nebenbei, ob dir das Format überhaupt liegt.
Und falls du später doch einen eigenen Podcast startest: Denk ihn von Anfang an als Video. Eine Kamera mitlaufen zu lassen kostet wenig extra, macht aus jeder Folge aber YouTube-Content und ein Dutzend Reels. Audio allein zu produzieren ist 2026 verschenktes Material.
Das Fazit
Ein Podcast fürs Unternehmen ist sinnvoll, wenn drei Dinge zusammenkommen: eine benennbare Zielgruppe, ein echter Nutzen pro Folge und der lange Atem von mindestens zwei Jahren. Fehlt eines davon, wird er zum Zeitfresser mit Jingle.
Wenn du unsicher bist, ob Podcast, Reels oder YouTube für deinen Betrieb die klügste Investition ist: Genau solche Entscheidungen rechnen wir mit unseren Kunden durch, bevor irgendjemand ein Mikrofon kauft. Mehr dazu bei unserer Social-Media-Agentur in Graz.
Häufige Fragen
Was kostet ein Unternehmenspodcast wirklich?
Die Technik ist mit wenigen hundert Euro erledigt. Der eigentliche Aufwand ist Arbeitszeit: Planung, Aufnahme, Schnitt und Vermarktung ergeben rund einen Arbeitstag pro Folge. Bei zwei Folgen monatlich entspricht das etwa 24 Arbeitstagen im Jahr, die intern oder über eine Agentur abgedeckt werden müssen.
Wie viele Hörer braucht ein Firmenpodcast, damit er sich lohnt?
Weniger, als viele denken. Ein B2B-Podcast mit 200 Hörern pro Folge kann sich rechnen, wenn die richtigen 200 zuhören oder Wunschkunden als Gäste im Studio sitzen. Entscheidend ist nicht die Reichweite, sondern wer erreicht wird und was daraus entsteht.
Podcast oder Reels: Was ist für KMU sinnvoller?
Für die meisten KMU sind Reels der bessere Start, weil sie über den Algorithmus neue Menschen erreichen und schneller Ergebnisse zeigen. Ein Podcast lohnt sich vor allem im erklärungsbedürftigen B2B-Geschäft, im Employer Branding und überall dort, wo Vertrauen über lange Entscheidungswege aufgebaut werden muss.
Wie lange dauert es, bis ein Podcast Wirkung zeigt?
Realistisch ein bis zwei Jahre. Podcasts wachsen über Empfehlungen und Verlässlichkeit, nicht über virale Ausschläge. Wer nach zehn Folgen abbricht, verliert die Investition genau dann, wenn sie zu greifen beginnt. Deshalb gehört die Durchhaltefrage vor die erste Folge, nicht nach der fünften.
Quellen
- RTR Online-Audio-Monitor Austria, 2025: https://www.rtr.at/medien/presse/pressemitteilungen/Presseinformationen_2025/PI10022025RTRM_OAMA2025.html
Reden wir über dein Marketing.
Wenn du beim Lesen an dein eigenes Unternehmen gedacht hast: Genau dafür sind wir da. Stell uns deine Frage, wir melden uns ehrlich zurück. Ohne Verkaufsfolien, ohne Agentur-Theater.




