„Wir haben eh alles probiert.“ Diesen Satz hören wir oft, wenn ein Betrieb mit einer offenen Stelle zu uns kommt. Und wenn man nachfragt, was „alles“ war, kommt meistens: eine Anzeige auf einem Jobportal, ein Posting auf Facebook, ein Zettel beim Bäcker. Drei Einzelmaßnahmen, drei Wochen Laufzeit, null Plan dahinter.

Das ist keine Kampagne. Das ist Flaschenpost.

Eine Recruiting-Kampagne ist etwas anderes: ein zeitlich begrenzter, koordinierter Vorstoß mit einem klaren Ziel, einer klaren Zielperson und mehreren Bausteinen, die ineinandergreifen. Der Unterschied in der Wirkung ist enorm, und das Beste daran: Die Planung folgt einem Schema, das du lernen kannst. Gehen wir es durch, Schritt für Schritt.

Schritt 1: Die Zielperson, nicht die Zielgruppe

Der Standardfehler passiert im ersten Satz der Planung: „Wir suchen Fachkräfte.“ Fachkräfte gibt es nicht. Es gibt die 24-jährige Elektrikerin aus dem Bezirk Voitsberg, die ihren Betrieb mag, aber ihren Chef nicht. Es gibt den 35-jährigen Familienvater, der nicht mehr montags bis freitags auf Montage sein will.

Bevor irgendetwas gestaltet wird, beschreibst du genau eine solche Person. Am einfachsten geht das mit einem Blick ins eigene Haus: Nimm deinen besten Mitarbeiter in der gesuchten Position und frag ihn, was ihn damals zum Wechsel bewegt hätte. Was hat ihn an seinem alten Job gestört? Wo hat er sich informiert? Was hätte ihn skeptisch gemacht? Die Antworten sind die halbe Kampagne, denn Menschen wie er sollen sich angesprochen fühlen.

Schritt 2: Das ehrliche Angebot

Jetzt die unbequeme Frage: Warum sollte diese Person zu dir wechseln? „Junges dynamisches Team“ und „abwechslungsreiche Tätigkeit“ stehen in jeder zweiten Anzeige und bedeuten nichts. Gesucht sind die zwei, drei Dinge, die bei dir wirklich anders sind: die Vier-Tage-Woche, die Baustellen nur im Umkreis von 50 Kilometern, der Meister, der Lehrlinge tatsächlich ausbildet, das Gehalt über Kollektiv, das du auch hinschreibst.

Wenn dir hier nichts einfällt, hast du kein Kampagnen-Problem, sondern ein Angebots-Problem. Das ist eine harte, aber wertvolle Erkenntnis, denn keine Kampagne der Welt füllt einen Bewerbungseingang für ein Angebot, das niemand will.

Schritt 3: Kanäle dorthin, wo die Zielperson wirklich ist

Erst jetzt, mit Zielperson und Angebot, wählst du die Kanäle. Die Daten sind eindeutig: 92 Prozent der Unternehmen rekrutieren inzwischen über Social Media (Quelle: Apollo Technical, 2026), und bei der jungen Generation läuft die Jobsuche längst im Feed: 46 Prozent der Gen Z haben schon einen Job oder ein Praktikum über TikTok gefunden (Quelle: Zety, 2025).

Für die Praxis heißt das: Die Kampagne läuft dort, wo deine Zielperson ihre Abende verbringt, meist Instagram, TikTok oder Facebook, bei Fach- und Führungskräften LinkedIn. Das Jobportal bleibt als Auffangnetz für aktive Sucher, aber der Vorstoß passiert im Social Feed, mit bezahlter Reichweite, regional eingegrenzt auf den Einzugsbereich. Eine Kampagne für einen Betrieb in Graz-Umgebung muss keine Wienerin erreichen, die nie pendeln wird.

Schritt 4: Das Material, das den Daumen stoppt

Herzstück jeder Recruiting-Kampagne ist heute Video. Nicht der Imagefilm, sondern 20 bis 40 Sekunden echte Menschen: der künftige Kollege, der zeigt, wie sein Tag aussieht. Die Chefin, die ehrlich sagt, was sie bietet und was sie erwartet. Der Lehrling, der erzählt, was ihn überrascht hat.

Drei Regeln fürs Material:

  • Die ersten 1,5 Sekunden entscheiden. Der Einstieg muss die Zielperson packen: „Du bist Elektrikerin und dein Chef geht dir am Nerv?“ stoppt den Daumen. Ein Logo-Intro nicht.
  • Ehrlichkeit schlägt Inszenierung. Gestellte Szenen erkennt jeder. Echter Arbeitsalltag, echte Stimmen, ruhig mit Ecken und Kanten.
  • Mehrere Varianten. Produziere aus einem Drehtag drei bis fünf verschiedene Videos mit unterschiedlichen Einstiegen. Was am besten läuft, bekommt das Budget. Das weiß man vorher nie, und wer nur ein Sujet hat, kann nicht lernen.

Schritt 5: Der Weg zur Bewerbung, ohne Hürdenlauf

Jetzt der Punkt, an dem die meisten Kampagnen still sterben: Das Video begeistert, die Person klickt, und landet auf einem Bewerbungsformular mit zwölf Pflichtfeldern, Lebenslauf-Upload und Motivationsschreiben. Auf einem Handy. Um 22 Uhr am Sofa.

Merk dir einen Satz: Die Bewerbung muss so einfach sein wie eine Pizzabestellung. Name, Kontakt, fertig. Alles Weitere klärt ihr im Gespräch. Ideal ist eine eigene kleine Kampagnen-Landingpage mit dem Video, den drei stärksten Argumenten, echten Team-Fotos und einem Formular mit maximal drei Feldern, alternativ Bewerbung per WhatsApp. Und dann das Wichtigste: Antwort innerhalb von 24 Stunden. Wer wechselwillig ist, ist es bei drei Betrieben gleichzeitig. Der schnellste bekommt das Gespräch.

Schritt 6: Laufzeit, Budget, Messung

Eine realistische Kampagne läuft vier bis acht Wochen. Kürzer sammelt der Algorithmus zu wenig Daten, länger nutzt sich das Material ab. Fürs Werbebudget gilt als Untergrenze: 15 bis 30 Euro pro Tag, regional ausgesteuert, verteilt auf die zwei bis drei besten Videos.

Gemessen wird auf drei Ebenen: Wie viele Menschen haben das Video gesehen und wie lange? Wie viele haben die Landingpage besucht? Wie viele haben sich gemeldet? So siehst du genau, wo es hakt. Viele Views, wenig Klicks heißt schwacher Handlungsaufruf. Viele Klicks, wenig Bewerbungen heißt Landingpage oder Angebot prüfen. Ohne diese Messung wüsstest du nur, dass es nicht funktioniert, aber nie warum.

Der Zeitplan rückwärts

Zum Schluss die Planungsfrage, die alle unterschätzen: Wann anfangen? Rechne rückwärts. Wenn die Stelle im September besetzt sein soll: Kündigungsfristen einrechnen, Gespräche im Juli, Kampagnenlauf Mai bis Juni, Dreh im April, Planung im März. Eine Recruiting-Kampagne, die erst startet, wenn die Not schon da ist, kämpft immer bergauf. Die stärkste Abkürzung ist übrigens ein Kanal, der schon vor der Kampagne lebt: Wer laufend zeigt, wie es bei ihm zugeht, dem glaubt man auch die Kampagne.

Wenn du für deine nächste Recruiting-Kampagne einen Partner willst, der von der Zielperson bis zum Drehtag alles mitdenkt: Hier zeigen wir, wie wir Social-Media-Kampagnen für Betriebe umsetzen.

Häufige Fragen

Wie lange sollte eine Recruiting-Kampagne laufen?
Vier bis acht Wochen sind für die meisten Positionen ideal. In den ersten Tagen lernt der Algorithmus, wen die Videos interessieren, danach läuft die Ausspielung stabil. Deutlich kürzere Kampagnen verschenken diese Lernphase, deutlich längere brauchen frisches Material, weil sich Videos abnutzen.

Was kostet eine Recruiting-Kampagne auf Social Media?
Rechne mit zwei Blöcken: Produktion und Werbebudget. Ein professioneller Drehtag mit mehreren Videos liegt je nach Umfang im niedrigen bis mittleren vierstelligen Bereich, das Werbebudget bei 15 bis 30 Euro pro Tag über die Laufzeit. In Summe kostet eine solide Kampagne damit meist weniger als ein einziges Monatsgehalt der gesuchten Position.

Brauche ich für eine Recruiting-Kampagne unbedingt Video?
Für die relevanten Zielgruppen praktisch ja. Kurzvideos mit echten Mitarbeitern erzielen auf Instagram und TikTok ein Vielfaches der Aufmerksamkeit von Foto-Sujets und beantworten die wichtigste Bewerberfrage glaubwürdig: Wie ist es dort wirklich? Fotos und Grafiken funktionieren als Ergänzung, tragen eine Kampagne aber selten allein.

Warum bekomme ich trotz Kampagne keine Bewerbungen?
Meist liegt es an einem von drei Punkten: Das Angebot ist nicht konkurrenzfähig, der Bewerbungsweg hat zu viele Hürden, oder das Material spricht die falsche Person an. Die Messdaten zeigen, wo es hakt: Viele Videoaufrufe ohne Klicks deuten auf den Handlungsaufruf, viele Klicks ohne Bewerbungen auf Landingpage oder Angebot.

Quellen

  • Apollo Technical, 2026: https://www.apollotechnical.com/social-media-recruiting-statistics/
  • Zety, 2025: https://zety.com/blog/genz-career-trends-report

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