Es gibt zwei Sorten von Ratgebern zu dieser Frage. Die einen kommen von Agenturen und enden zufällig immer bei „beauftrage eine Agentur“. Die anderen kommen von Kurs-Verkäufern und enden zufällig immer bei „du kannst das selbst, kauf meinen Kurs“. Wir sind eine Agentur, so viel Transparenz muss sein. Aber wir versprechen dir einen Vergleich, der auch die Antwort zulässt, die uns nichts bringt. Denn die ehrliche Wahrheit ist: Beides funktioniert. Nur für unterschiedliche Betriebe in unterschiedlichen Situationen.
Worum es wirklich geht: nicht ums Filmen
Zuerst ein Missverständnis ausräumen. Die Frage klingt nach Technik, ist aber keine Technikfrage. Reel drehen kann heute jedes Handy in erstaunlicher Qualität. Die eigentliche Arbeit an einem Reel, das funktioniert, steckt woanders:
- Die Idee: Was interessiert Fremde an eurem Alltag? (Nicht: Was wollt ihr erzählen?)
- Der Hook: Welche anderthalb Sekunden stehen am Anfang, damit niemand wegwischt?
- Der Schnitt: Welche 80 Prozent des Materials fliegen raus?
- Die Konstanz: Wer macht das auch in Woche 14 noch, wenn die Anfangseuphorie weg ist?
Wenn du Reels drehen willst, kaufst oder lernst du in Wahrheit diese vier Dinge. Die Kamera ist das kleinste Problem.
Selbst machen: die ehrliche Rechnung
Was dafür spricht. Niemand kennt deinen Betrieb wie du. Du bist immer da, wenn spontan etwas passiert – der Moment, in dem die Maschine das erste Mal läuft, passiert nicht am geplanten Drehtag. Selbstgemachte Reels haben oft genau die Ungeschliffenheit, die auf Social Media Vertrauen schafft. Und: Die Fähigkeit bleibt im Haus. Ein Betrieb, in dem jemand intern gut Kurzvideos macht, hat einen dauerhaften Vorteil.
Was dagegen spricht. Zeit, und zwar mehr als gedacht. Ein brauchbares Reel kostet mit Idee, Dreh, Schnitt und Text realistisch zwei bis vier Stunden – als Anfänger eher mehr. Bei zwei Reels pro Woche ist das ein knapper Arbeitstag. Jede Woche. Dazu kommt die Lernkurve: Die ersten zwanzig Reels werden mittelmäßig, das ist normal und in Ordnung – aber jemand muss diese Durststrecke durchstehen, während das Tagesgeschäft ruft. Und genau dort sterben die meisten internen Social-Media-Anläufe: nicht an mangelndem Können, sondern daran, dass das Dringende das Wichtige frisst.
Für wen es passt. Betriebe mit einer Person, die Lust darauf hat (Lust, nicht Auftrag), mit Rückendeckung vom Chef und geschützter Zeit. Wenn diese drei Dinge fehlen, wird aus „machen wir intern“ erfahrungsgemäß „haben wir drei Monate gemacht“.
Drehen lassen: die ehrliche Rechnung
Was dafür spricht. Profis überspringen deine Lernkurve – du startest mit Hooks, Schnitt und Dramaturgie auf dem Niveau, für das intern ein Jahr Übung nötig wäre. Eine Reel Agentur bringt den Außenblick mit: Sie erkennt, was an deinem Alltag für Fremde faszinierend ist, während du es für banal hältst (Betriebsblindheit ist bei Content die teuerste Krankheit). Die Konstanz ist vertraglich gesichert statt motivationsabhängig. Und der Einsatz lohnt sich messbar: Kurzvideos sind laut HubSpot das Content-Format mit dem höchsten Return on Investment, im vierten Jahr in Folge (Quelle: HubSpot, 2026). Es geht also um einen Kanal, bei dem sich Qualität direkt in Ergebnis übersetzt.
Was dagegen spricht. Es kostet Geld – je nach Umfang meist einen niedrigen bis mittleren vierstelligen Monatsbetrag für laufende Betreuung. Die Agentur ist nicht da, wenn der spontane Moment passiert. Und es gibt schlechte Agenturen: Wer dir Reels von der Stange liefert, die austauschbar aussehen und mit deinem Betrieb wenig zu tun haben, verbrennt dein Geld genauso wie ein misslungener Eigenversuch. Erkennungszeichen der guten: Sie wollen deine Menschen vor die Kamera, nicht Stockmaterial dahinter.
Für wen es passt. Betriebe, bei denen Social Media aufs Geschäft einzahlen soll (Anfragen, Bewerbungen, Bekanntheit), aber intern weder Zeit noch der passende Mensch da ist. Und alle, die schon einen oder zwei interne Anläufe hinter sich haben, die versandet sind.
Der Zahlenvergleich, den kaum jemand macht
„Selbst machen ist gratis“ ist die häufigste Fehlkalkulation in dieser Frage. Rechnen wir kurz: Acht Reels im Monat intern bedeuten rund 25 bis 30 Arbeitsstunden. Bei vollen Personalkosten von, sagen wir, 50 Euro pro Stunde sind das 1.250 bis 1.500 Euro – monatlich, plus die Monate Lernkurve, in denen die Ergebnisse mäßig sind. Eine professionelle Betreuung liegt oft in einer ähnlichen Größenordnung, liefert aber ab dem ersten Monat auf Erfahrungsniveau.
Das heißt nicht, dass intern unsinnig ist. Es heißt: Der Vergleich lautet nicht „gratis gegen teuer“, sondern „interne Stunden plus Lernkurve gegen externes Honorar plus Erfahrung“. Je nachdem, wie teuer deine Zeit ist und wie gut dein interner Kandidat, kippt die Rechnung in die eine oder andere Richtung.
Die Mischform: für viele KMU das Beste aus beidem
Jetzt der Teil, der in den meisten Vergleichen fehlt, obwohl er in der Praxis am häufigsten gewinnt: Du musst dich nicht entscheiden. Die stärksten Setups, die wir bei KMU in der Steiermark sehen, sind hybrid:
- Die Agentur baut das Fundament: Strategie, Formate, die geplanten Reels vom monatlichen Drehtag – die Inhalte, die Können und Qualität zeigen.
- Der Betrieb liefert die Momente: Mitarbeiter filmen spontane Szenen aus dem Alltag mit dem Handy – roh und echt. Die Agentur schneidet, betextet und spielt aus.
- Mit der Zeit verschiebt sich die Grenze: Der Betrieb lernt vom Profi-Material, übernimmt mehr selbst, die Agentur zieht sich auf Strategie und die großen Produktionen zurück.
So bekommst du die Qualität der Profis und die Nähe des Alltags – und zahlst nicht für Dinge, die dein Team mit etwas Anleitung selbst kann.
Wenn du selbst startest: die Grundausstattung, ehrlich
Für alle, die es intern versuchen wollen, die Einkaufsliste ohne Schnickschnack:
- Ein aktuelles Smartphone. Was du in der Hosentasche hast, reicht. Wichtig ist nur: Linse putzen (klingt banal, ist der häufigste Qualitätskiller) und in 4K filmen.
- Ein Ansteckmikrofon. Die einzige Investition, die wirklich Pflicht ist. Schlechtes Bild verzeiht das Publikum, schlechten Ton nie. Kostenpunkt: unter hundert Euro.
- Ein Stativ mit Klemme. Damit die Kamera steht und beide Hände arbeiten können.
- Eine Schnitt-App am Handy. Die gängigen kostenlosen Apps können alles, was du im ersten Jahr brauchst: Schnitt, Untertitel, Tempo, Ton.
Das war’s. Wer dir für den Anfang eine Kamera um dreitausend Euro, ein Lichtset und ein Schnittprogramm mit Jahresabo verkaufen will, löst ein Problem, das du nicht hast. Die knappe Ressource ist nicht Technik, sondern Urteilsvermögen: welche Idee, welcher Einstieg, welcher Schnitt. Und das wächst nur durchs Machen und durchs Anschauen der eigenen Zahlen.
Ein Tipp, der die Lernkurve spürbar verkürzt: Analysiere pro Woche drei Reels aus deiner Branche, die funktioniert haben. Nicht nachmachen – zerlegen. Was war der Hook? Wie lang waren die Schnitte? Wann wärst du selbst ausgestiegen? Nach zwanzig zerlegten Reels siehst du Muster, für die andere ein Jahr brauchen.
Die Entscheidungshilfe in vier Fragen
Zum Abschluss der Selbsttest. Beantworte ehrlich:
- Gibt es intern eine Person, die Reels machen will – nicht nur soll?
- Kann diese Person pro Woche vier bis sechs Stunden geschützt dafür arbeiten?
- Könnt ihr sechs Monate Mittelmaß aushalten, ohne abzubrechen?
- Ist Social Media bei euch „nice to have“ oder soll es messbar Anfragen oder Bewerbungen bringen?
Dreimal Ja bei 1 bis 3: Macht es selbst, ernsthaft und mit Plan. Bei Nein-Antworten und einem klaren Geschäftsziel bei Frage 4: Lass drehen oder wähle die Mischform.
Und falls du beim Reel drehen jemanden willst, der beide Seiten kennt, weil er täglich mit internen Teams zusammenarbeitet: Als Social Media Agentur in Graz bauen wir gern das Setup, das zu deinem Betrieb passt statt zu unserem Angebotskatalog.
Häufige Fragen
Was kostet es, Reels drehen zu lassen?
Laufende Betreuung mit mehreren Reels pro Monat liegt je nach Umfang meist im niedrigen bis mittleren vierstelligen Monatsbereich. Zum Vergleich: Acht Reels intern kosten realistisch 25 bis 30 Arbeitsstunden monatlich plus Lernkurve – „selbst machen ist gratis“ ist eine Fehlkalkulation.
Kann man gute Reels wirklich nur mit dem Handy drehen?
Ja, technisch reicht ein aktuelles Smartphone völlig. Die Qualität eines Reels entscheidet sich nicht an der Kamera, sondern an Idee, Hook, Schnitt und Konstanz. Genau diese vier Dinge sind es, die man beim Selbermachen lernen oder beim Drehenlassen einkaufen muss.
Wie lange dauert es, bis selbst gemachte Reels gut werden?
Rechne mit rund zwanzig mittelmäßigen Reels, bevor Routine und Gespür da sind – bei zwei Reels pro Woche also zwei bis drei Monate Durststrecke. Das ist normal und kein Grund aufzuhören. Kritisch wird es nur, wenn niemand geschützte Zeit dafür hat und das Tagesgeschäft den Anlauf frisst.
Gibt es einen Mittelweg zwischen Agentur und Selbermachen?
Ja, und der gewinnt in der Praxis oft: Die Agentur liefert Strategie, Drehtage und die geplanten Formate, das Team filmt spontane Alltagsmomente mit dem Handy, die Agentur schneidet und spielt aus. Mit der Zeit übernimmt der Betrieb mehr selbst – die Fähigkeit wächst im Haus, ohne dass die Qualität am Anfang leidet.
Quellen
- HubSpot, 2026: https://www.hubspot.com/marketing-statistics
Reden wir über dein Marketing.
Wenn du beim Lesen an dein eigenes Unternehmen gedacht hast: Genau dafür sind wir da. Stell uns deine Frage, wir melden uns ehrlich zurück. Ohne Verkaufsfolien, ohne Agentur-Theater.




