Dreitausend Follower auf Instagram. Und das letzte Posting haben 240 Menschen gesehen. Gleichzeitig geht drei Orte weiter das Video eines Betriebs viral, von dem du noch nie gehört hast – mit einem Konto, das kleiner ist als deins. Wenn dir das bekannt vorkommt: Du bist nicht schlechter geworden. Die Spielregeln haben sich geändert. Social Media hieß einmal, dass du dir ein Publikum aufbaust und dieses Publikum sieht, was du postest. Dieses Modell ist Geschichte. Was heute läuft, heißt Social Interest: Die Plattformen zeigen deine Inhalte den Menschen, die sich für dein Thema interessieren. Ob diese Menschen dir folgen, ist dabei fast Nebensache.

Was ist Social Interest?

Die kürzeste brauchbare Definition: Social Interest bedeutet, dass Plattformen wie TikTok und Instagram Inhalte nicht mehr primär an die eigenen Follower ausspielen, sondern an alle Nutzer, deren Interessen zum Inhalt passen. Über Reichweite entscheidet nicht mehr die Beziehung zwischen Konto und Publikum, sondern die Relevanz des einzelnen Beitrags.

Vorgemacht hat es TikTok. Die For-You-Page fragt nicht, wem du folgst. Sie fragt: Was schaust du dir an? Wie lange? Was schickst du weiter? Aus diesen Signalen entsteht ein Interessenprofil, und genau das wird bespielt. Die Follower-Zahl eines Kontos ist dort für die Reichweite eines einzelnen Videos beinahe bedeutungslos.

Meta hat nachgezogen, und zwar deutlich. Schon 2023 erklärte Mark Zuckerberg, dass rund 40 Prozent der Inhalte, die Instagram-Nutzer sehen, von der KI empfohlen werden und aus Konten stammen, denen sie gar nicht folgen (Quelle: Meta, 2023). Die Richtung seither: mehr davon, nicht weniger. Dein Feed gehört nicht mehr deinen Abos. Er gehört deinen Interessen.

Warum deine Follower-Zahl an Wert verliert

Früher war ein Follower so etwas wie ein Abonnent: einmal gewonnen, dauerhaft erreichbar. Heute startet jeder Beitrag bei null. Die Plattform zeigt ihn zuerst einer kleinen Testgruppe – teils Follower, teils fremde Nutzer mit passenden Interessen. Dann wird gemessen: Wie lange wird geschaut? Wird gespeichert, geteilt, kommentiert? Fallen die Signale gut aus, weitet die Plattform den Kreis. Stufe um Stufe, bis die Zahlen kippen. Fallen sie schlecht aus, war es das. Egal, wie groß dein Konto ist.

Das hat zwei Seiten. Die unangenehme: Deine mühsam gesammelten Follower garantieren dir nichts mehr. Die großartige: Ein kleines Konto kann riesig rauskommen. Wir sehen das bei unseren eigenen Kunden. Für Messner produzieren wir seit zwei Jahren laufend Reels – eines davon hat 172.000 Views erreicht. Nicht, weil das Konto so gewaltig wäre, sondern weil der Inhalt für sehr viele Menschen relevant war und der Algorithmus das gemerkt hat.

Auch das Format spielt mit: Reels erzielen laut einer Buffer-Analyse von mehr als vier Millionen Beiträgen im Schnitt über doppelt so viel Reichweite wie Einzelbild-Postings (Quelle: Buffer, 2024). Der Grund liegt genau hier: Der Reels-Feed ist dafür gebaut, Nutzern Neues zu empfehlen – also Inhalte von Konten, denen sie noch nicht folgen.

Vielleicht hilft ein Bild aus der analogen Welt. Früher war dein Instagram-Konto eine Zeitung mit Abonnenten: Wer bestellt hat, bekam sie zugestellt. Heute ist jeder Beitrag ein Zettel am schwarzen Brett eines riesigen Bahnhofs. Ob ihn jemand liest, hängt nicht davon ab, wie viele Zettel du früher aufgehängt hast. Es hängt davon ab, ob die Menschen, die vorbeigehen, genau dieses Thema gerade beschäftigt. Und der Bahnhofswärter, also der Algorithmus, beobachtet sehr genau, wer stehen bleibt.

Was Social Interest für dein Unternehmen bedeutet

Drei Konsequenzen, die du kennen solltest:

Erstens: Die Startlinie ist für alle gleich. Der Algorithmus fragt nicht nach Firmengröße, Marketingbudget oder Bekanntheit. Ein Handwerksbetrieb aus der Steiermark kann an einem Dienstag mehr Menschen erreichen als ein Konzern mit zehnköpfiger Marketingabteilung. Entscheidend ist allein, ob Menschen den Inhalt sehen wollen. Für kleinere Unternehmen ist das die fairste Ausgangslage, die es in der Geschichte der Werbung je gab.

Zweitens: Du konkurrierst mit allem. Dein Reel läuft nicht neben den Postings deiner Mitbewerber. Es läuft zwischen einem Katzenvideo, einem Fußball-Ausschnitt und dem Urlaubsclip einer Freundin. „Für unsere Branche eh ganz okay“ reicht in diesem Umfeld nicht. Der Inhalt muss aus sich heraus sehenswert sein, sonst wischt der Daumen weiter.

Drittens: Themenklarheit wird zur Währung. Damit die Plattform deine Inhalte den richtigen Menschen zeigen kann, muss sie verstehen, wofür dein Konto steht. Wer heute die neue Küche zeigt, morgen das Teamevent und übermorgen eine Zitat-Kachel, sendet Rauschen. Daraus kann kein Algorithmus ein Interessenprofil bauen – und verteilt entsprechend zögerlich.

So profitierst du vom Interessen-Algorithmus

Sechs Dinge, die du ab morgen anders machen kannst:

  1. Besetze ein enges Themenfeld. Wähle zwei, drei Kernthemen, zu denen du wirklich etwas zu sagen hast, und bleib dort. Je klarer dein Konto einem Interesse zuzuordnen ist, desto präziser kann die Plattform es ausspielen. Enge wirkt hier nicht wie ein Käfig, sie wirkt wie ein Verstärker.
  2. Geh von den Fragen deiner Kunden aus. Der Algorithmus verbindet dich mit Interessen, also produziere für Interessen: „Was kostet eine Badsanierung wirklich?“ holt Menschen ab, die genau das gerade beschäftigt. „Wir über uns“-Inhalte interessieren dagegen fast niemanden, der dich noch nicht kennt.
  3. Die ersten zwei Sekunden entscheiden. Deine Zuseher sind Fremde ohne Vorwissen und ohne Geduld. Starte mit der stärksten Aussage, der überraschendsten Zahl, dem konkretesten Problem. Der Firmenname kann warten, das Logo sowieso.
  4. Mach Inhalte, die man weiterschickt. Geteilte Beiträge sind für die Empfehlungssysteme eines der stärksten Signale. Frag dich vor jedem Video: Wem würde man das schicken, und warum? Wenn dir keine Antwort einfällt, fehlt dem Inhalt der Kern.
  5. Denk in Serien. Ein viraler Treffer ist Glück, eine wiedererkennbare Serie ist Strategie. Gleiches Format, gleiche Person, gleicher Rhythmus – so lernt der Algorithmus dein Thema und das Publikum dein Gesicht.
  6. Miss das Richtige. Die wichtigste Zahl ist nicht mehr das Follower-Wachstum, sondern: Wie viele Nicht-Follower hast du erreicht? Wie viele davon haben dein Profil besucht, dir geschrieben, angefragt? Reichweite bei Fremden ist kein Streuverlust. Sie ist der ganze Sinn der Übung.

Wozu dann überhaupt noch Follower?

Ganz wertlos sind sie nicht, nur hat sich ihre Rolle gedreht. Follower sind heute das Ergebnis guter Inhalte, nicht mehr deren Voraussetzung. Wer dir nach einem Reel folgt, hat aktiv Interesse gezeigt – das sind deine wärmsten Kontakte, dein Social Proof, dein Startpublikum für den nächsten Beitrag. Und wenn ein potenzieller Kunde dein Profil besucht, wirken ein paar tausend Follower nach wie vor vertrauensbildend, so wie ein gut besuchtes Gastlokal einladender wirkt als ein leeres.

Aufbauen lohnt sich also weiterhin. Nur eben nicht als Selbstzweck, und schon gar nicht gekauft: Gekaufte oder mit Gewinnspielen eingesammelte Follower interessieren sich nicht für deine Themen, ignorieren deine Beiträge und verwässern damit genau die Signale, von denen deine Reichweite lebt. Im Interest-Zeitalter sind sie kein harmloser Schönheitsfehler mehr, sondern aktiver Ballast.

Für Unternehmen in Graz und Umgebung heißt das alles vor allem eines: Die Ausrede „Wir haben ja kaum Follower“ ist abgelaufen. Interessante Inhalte finden ihr Publikum, auch aus dem Stand. Langweilige finden es nicht, auch mit zehntausend Abonnenten nicht. Wenn du wissen willst, wie deine Themen zu Inhalten werden, die der Algorithmus gern herzeigt: Wir machen genau das jeden Tag – als Social Media Agentur in Graz, von der Themenstrategie bis zum fertigen Reel.

Häufige Fragen

Was bedeutet Social Interest?
Social Interest beschreibt das Prinzip, nach dem Plattformen wie TikTok und Instagram heute Reichweite verteilen: Inhalte werden nicht mehr primär den eigenen Followern gezeigt, sondern allen Nutzern, deren Interessen zum Inhalt passen. Jeder Beitrag wird einzeln bewertet und je nach Reaktion der ersten Zuseher weiter ausgespielt oder gestoppt.

Sind Follower damit komplett egal geworden?
Nein, aber ihre Rolle hat sich geändert. Follower garantieren keine Reichweite mehr, sie sind das Ergebnis guter Inhalte: dein wärmstes Publikum, dein Social Proof und die erste Testgruppe für neue Beiträge. Als alleinige Kennzahl für Erfolg taugen sie nicht mehr.

Wie erreiche ich mit Social Interest die richtigen Menschen?
Indem du dein Konto thematisch klar hältst und Inhalte zu den echten Fragen deiner Kunden produzierst. Der Algorithmus muss erkennen können, für welches Interesse dein Konto steht – dann spielt er deine Beiträge genau den Menschen aus, die sich dafür interessieren. Starke erste Sekunden und teilbare Inhalte beschleunigen das zusätzlich.

Lohnt sich Social Media Marketing für kleine Unternehmen in Graz noch?
Mehr denn je, denn der Interessen-Algorithmus behandelt kleine Konten gleich wie große. Ein steirischer Betrieb ohne nennenswerte Follower-Basis kann mit einem relevanten Reel zehntausende Menschen erreichen. Entscheidend ist nicht das Budget, sondern ob die Inhalte für die Zielgruppe wirklich interessant sind.

Quellen

  • Meta/Mark Zuckerberg (Earnings Call Q1), 2023: https://www.thestreet.com/social-media/mark-zuckerberg-reveals-a-troubling-change-to-how-facebook-instagram-feeds-work
  • Buffer, 2024: https://buffer.com/resources/instagram-reach-engagement-analysis/