Es gibt einen Satz, den wir in Erstgesprächen öfter hören als jeden anderen: „TikTok? Das ist doch nur für Kinder, die tanzen.“ Meistens kommt er von jemandem, der TikTok noch nie offen hatte. Und meistens ist er der Grund, warum wir kurz innehalten. Nicht weil er falsch ist. Sondern weil er eine Entscheidung über hunderttausende potenzielle Kontakte auf einem Bauchgefühl aufbaut, das aus dem Jahr 2019 stammt.
TikTok ist die Plattform, über die am meisten gestritten wird und am wenigsten nachgedacht. Also machen wir das jetzt. Ohne Hype, ohne Panik. Nur die Frage, die zählt: Bringt es dir etwas oder nicht?
Die Zahl, die das Kinderargument beendet
Fangen wir mit der Realität an. In Österreich nutzen jeden Monat rund 2,1 Millionen Menschen TikTok. In Deutschland sind es 20,9 Millionen. Das ist keine Nische mehr. Das ist ungefähr jede vierte Person im Land, die du potenziell erreichen könntest.
Stimmt, die Plattform ist jung. Rund 45 Prozent der Nutzer:innen sind unter 25, drei Viertel unter 34. Aber „jung“ heißt nicht „Kind“. Ein 28-Jähriger, der ein Haus baut, eine Firma gründet oder eine Küche kauft, ist auf TikTok. Deine zukünftigen Mitarbeiter sind fast sicher dort.
Warum die meisten Firmen trotzdem Nein sagen
Wenn die Zahlen so klar sind, warum lehnen dann so viele ab? Aus drei Gründen, und keiner davon hat mit deiner Zielgruppe zu tun.
Erstens: Es ist unbequem. TikTok verlangt ein Gesicht, eine Stimme, Tempo. Man kann sich nicht hinter einem Hochglanz-Spot verstecken.
Zweitens: Es fühlt sich unseriös an. „Wir sind ein B2B-Unternehmen, wir tanzen nicht.“ Richtig. Aber Tanzen ist seit Jahren nicht mehr das, was auf TikTok funktioniert. Erklärvideos, Blicke hinter die Kulissen, ehrliche Antworten: Das läuft.
Drittens: Angst vor dem Aufwand. Die ist berechtigt. Und genau hier liegt die ehrliche Antwort: Für manche lohnt sich der Aufwand nicht.
Für wen TikTok wirklich etwas bringt
TikTok ist kein Muss. Es ist ein Werkzeug, und Werkzeuge passen zu manchen Aufgaben und zu anderen nicht. Ja sagen würden wir dir, wenn Folgendes auf dich zutrifft:
- Du suchst Mitarbeiter. Deine Wunsch-Lehrlinge und Fachkräfte unter 30 sind auf keiner anderen Plattform so leicht erreichbar.
- Dein Produkt lässt sich zeigen. Alles, was man sehen, aufschneiden, aufbauen, verwandeln kann. Wurst, Werkstatt, Baustelle, Küche, Bevor-Nachher.
- Du willst bekannt werden, nicht nur gefunden. TikTok bringt Reichweite bei Menschen, die dich noch gar nicht suchen.
- Du hast einen Menschen mit Lust auf die Kamera. Eine Person im Betrieb, die gern erklärt, reicht.
Für wen es nichts bringt
Und jetzt der Teil, den du selten hörst, weil er gegen jedes Agenturinteresse geht: Es gibt Fälle, in denen wir von TikTok abraten.
- Du verkaufst an eine Handvoll Konzern-Einkäufer. Dann ist LinkedIn dein Ort, mit rund 27 Millionen Accounts in der DACH-Region.
- Niemand im Betrieb will vor die Kamera. Erzwungene Videos sieht man.
- Du kannst keine Kontinuität aufbringen. Wer zwei Videos postet und dann aufhört, hat nichts verloren außer Zeit.
Der eigentliche Denkfehler
Die Frage „TikTok, ja oder nein?“ ist meistens die falsche Frage. Denn sie behandelt eine strategische Entscheidung wie eine Geschmacksfrage. Ob dir die Plattform gefällt, ist so irrelevant wie die Frage, ob dir Excel gefällt. Es zählt nur, ob deine Leute dort sind und ob du ihnen dort etwas zu zeigen hast.
Unser Rat ist unspektakulär: Schau nicht, was TikTok ist. Schau, wo deine nächsten hundert Kunden und deine nächsten fünf Mitarbeiter ihre Abende verbringen. Wenn die Antwort TikTok heißt, ist die Plattform kein Trend, sondern eine Adresse, unter der du noch nicht wohnst. Als TikTok-Agentur aus Graz sagen wir dir im Erstgespräch ehrlich, ob es sich für dich lohnt, auch wenn die Antwort „lasst es“ lautet.
Häufige Fragen
Ist TikTok nur etwas für junge Zielgruppen?
Überwiegend ja, aber „jung“ reicht heute weit ins Berufsleben. Rund drei Viertel der österreichischen Nutzer:innen sind unter 34: Gründer, Fachkräfte, Häuslbauer, junge Familien. Für eine Zielgruppe 60 plus ist es der falsche Ort.
Lohnt sich TikTok für B2B-Unternehmen?
Meistens weniger als LinkedIn. Wenn du an wenige, klar definierte Entscheider verkaufst, ist LinkedIn besser. Fürs Recruiting kann TikTok aber auch im B2B stark sein.
Muss man auf TikTok Trends und Tänze mitmachen?
Nein. Erklärformate, Einblicke in den Betrieb und ehrliche Antworten funktionieren für Unternehmen deutlich besser als Trend-Tänze.
Wie viel Aufwand ist TikTok wirklich?
Mehr als ein Posting pro Woche. TikTok belohnt Regelmäßigkeit über Monate. Der Aufwand lässt sich aber bündeln, etwa an einem Drehtag für mehrere Wochen Content.
Quellen: TikTok Newsroom 2025; derStandard 2025; Statista 2025 (Social Media in Österreich).

