„Wir müssen authentischer werden.“ Dieser Satz fällt mittlerweile in jedem zweiten Marketing-Meeting. Warum sich die Erwartungen der Kundschaft verschoben haben und Hochglanz-Werbung an Wirkung verliert, haben wir in einem eigenen Artikel über den Marketing-Wandel erklärt. Dieser hier beantwortet die viel schwierigere Frage: Was machst du am Montag damit?

Denn zwischen „wir wollen echt wirken“ und einem Marketing, das tatsächlich echt ist, liegt ein weiter Weg. Auf dem stolpern viele Unternehmen in eine von zwei Fallen: Entweder sie inszenieren Echtheit so aufwendig, dass sie wieder wie Werbung aussieht. Oder sie posten wahllos Schnappschüsse und wundern sich, dass niemand hinschaut. Beides lässt sich vermeiden. Der Reihe nach.

Was authentisches Marketing wirklich bedeutet

Räumen wir zuerst mit einem Missverständnis auf: Authentisches Marketing heißt nicht, dass du ab sofort ungefiltert alles zeigst. Es heißt nicht verwackelt, nicht schlampig, nicht „einfach draufhalten“. Es heißt: Was du zeigst, stimmt mit dem überein, was bei dir tatsächlich passiert.

Konkret besteht das aus drei Zutaten:

Echte Menschen. Die Personen in deinem Content arbeiten wirklich bei dir. Der Monteur im Video ist dein Monteur, die Stimme im Reel gehört deiner Lehrlingsausbildnerin. Keine gebuchten Models, keine Stockfotos von Menschen, die nie einen Fuß in deinen Betrieb gesetzt haben.

Echte Abläufe. Du zeigst, wie es bei dir wirklich zugeht: die Werkstatt am Vormittag, das Beladen des Firmenbusses, die Besprechung vor dem Projektstart, auch das Hoppala, wenn es eines gibt. Nicht die sterile Version für die Imagebroschüre, sondern den Alltag, aus dem deine Leistung entsteht.

Eigene Sprache. Du schreibst und redest so, wie man bei euch redet. Wenn in deinem Betrieb „Servus“ gesagt wird, hat „Sehr geehrte Damen und Herren“ in deinen Captions nichts verloren. Wenn ihr Schmäh habt, darf man den hören. Die Sprache deines Marketings sollte klingen wie ein Gespräch mit dir, nicht wie eine Pressemitteilung.

Der gemeinsame Nenner: Überprüfbarkeit. Ein Kunde, der nach deinem Content in deinen Betrieb kommt, darf nicht überrascht sein. Das ist der ganze Test.

Warum sich der Aufwand lohnt

Weil deine Kundschaft genau darauf achtet. Laut einer Stackla-Studie sagen 88 % der Konsumenten, dass Authentizität ein Schlüsselfaktor bei der Entscheidung ist, welche Marken sie mögen und unterstützen (Quelle: Stackla/Nosto, 2021). Gleichzeitig klafft eine bemerkenswerte Lücke: 92 % der Marketer glauben, ihr Content wirke authentisch, aber die Mehrheit der Konsumenten findet, dass es weniger als die Hälfte der Marken tatsächlich schafft (Quelle: Stackla/Nosto, 2019). Übersetzt: Fast alle halten sich für echt. Die Kundschaft sieht das anders.

Diese Lücke ist deine Chance, gerade als KMU. Denn Echtheit ist der eine Bereich, in dem du jedem Konzern überlegen bist. Ein internationaler Konzern braucht drei Freigabeschleifen, bis ein Mitarbeiter-Video online gehen darf. Du brauchst ein Handy und die Zustimmung der Person im Bild. Was Konsumenten von echten Menschen sehen, wirkt übrigens messbar stärker: User-Generated Content empfinden sie als 2,4-mal so authentisch wie klassischen Markencontent (Quelle: Stackla, 2019).

Die Umsetzung: dein Fahrplan in fünf Schritten

Genug Theorie. So bringst du Echtheit systematisch in dein Marketing, ohne dass es im Chaos endet.

1. Inventur: Was ist bei euch wirklich sehenswert?

Setz dich mit zwei, drei Leuten aus dem Team zusammen und sammelt, was es bei euch tatsächlich zu zeigen gibt: Handgriffe, die Außenstehende faszinieren. Momente, in denen Kunden „wow“ sagen. Geräte, Materialien, Rituale. Die Frage ist nicht „was sieht gut aus?“, sondern „was passiert hier jeden Tag, das draußen niemand kennt?“. In fast jedem Betrieb liegt mehr Content herum, als ein Jahr Postings braucht.

2. Gesichter finden, nicht bestimmen

Such die zwei, drei Personen im Team, die Lust auf Kamera haben, und fang mit denen an. Freiwilligkeit ist hier keine Nettigkeit, sondern eine Qualitätsfrage: Wer gezwungen vor der Kamera steht, wirkt gezwungen, und genau das spürt jeder Zuseher in der ersten Sekunde. Die Skeptiker im Team kommen später von selbst, wenn sie sehen, dass die Kollegin im Reel positive Kommentare bekommt und nicht blamiert wird.

3. Sprache festlegen: drei Regeln reichen

Schreib auf einer Seite fest, wie ihr klingt: Wie sprecht ihr Kunden an, per Du oder per Sie? Welche fünf Wörter benutzt ihr ständig und dürfen bleiben, auch wenn sie Dialekt sind? Welche Floskeln sind verboten? Diese eine Seite verhindert, dass dein Marketing je nach Tagesverfassung zwischen Amtsdeutsch und Kumpelton pendelt.

4. Formate bauen, die sich wiederholen lassen

Echtheit braucht Routine, sonst schläft sie nach drei Wochen ein. Leg zwei bis drei wiederkehrende Formate fest, etwa: eine Frage an eine Person aus dem Team, ein Vorher-nachher vom Projekt, ein 30-Sekunden-Blick hinter die Kulissen. Formate senken die Hürde, weil niemand jedes Mal bei null anfangen muss, und sie schaffen Wiedererkennung, ohne dass du etwas inszenieren musst.

5. Freigaben radikal verkürzen

Der größte Echtheits-Killer ist nicht die Kamera, sondern die Korrekturschleife. Wenn fünf Personen jedes Video glattschleifen, bleibt am Ende genau die Sorte Content übrig, die niemand mehr anschaut. Definiere klare Grenzen (was darf nie gezeigt werden: Kundendaten, Sicherheitsverstöße, Interna) und lass innerhalb dieser Grenzen laufen. Kontrolle über die Leitplanken, Freiheit auf der Straße.

Wo die Grenze zur Peinlichkeit liegt

Die Angst, sich zu blamieren, ist der häufigste Grund, warum Unternehmen beim echten Marketing zögern. Berechtigt ist sie nur teilweise. Peinlich wird es nämlich fast nie durch zu viel Echtheit, sondern durch gespielte Echtheit: der Geschäftsführer, der krampfhaft einen TikTok-Tanz mitmacht, der zum Betrieb überhaupt nicht passt. Die „spontane“ Szene, der man das dritte Take ansieht. Der Jugendslang aus der Agentur-Feder, den im Betrieb kein Mensch spricht.

Die Faustregel: Alles, was ihr im echten Leben vor Kunden tun oder sagen würdet, funktioniert auch vor der Kamera. Alles, was ihr nur für die Kamera tut, kippt ins Peinliche. Ein Schweißer, der beim Schweißen erklärt, worauf er achtet, ist nie peinlich. Ein Schweißer, der ein Trend-Audio nachspielen muss, fast immer.

Und ja, manches darf unfertig sein: ein Versprecher, ein Lachen an der falschen Stelle, ein Hund im Bild. Das sind keine Fehler, das sind die Momente, die hängen bleiben. Unprofessionell wird es erst, wenn die Substanz fehlt, nicht wenn die Politur fehlt.

Echt heißt nicht beliebig

Ein letzter Punkt, der oft untergeht: Authentisches Marketing ersetzt keine Strategie. Auch echter Content braucht einen Hook, eine Zielgruppe und einen Grund, warum ihn jemand anschauen soll. Der Blick hinter die Kulissen wirkt nur, wenn er etwas zeigt, das interessiert, und nicht einfach dokumentiert, dass gearbeitet wird.

Deshalb gilt: Echtheit ist das Material, Handwerk ist der Rest. Die Betriebe, die beides kombinieren, also echte Menschen und Abläufe mit sauberem Storytelling, klaren Hooks und konsequenter Frequenz, sind die, deren Videos man sich merkt. Genau dieses Zusammenspiel bauen wir mit unseren Kunden auf: Wir inszenieren nichts, wir machen sichtbar, was da ist, nur eben so, dass es jemand anschaut. Wenn du dabei Unterstützung willst, meld dich bei uns. Denn eines können wir dir versprechen: Dein Betrieb ist interessanter, als du glaubst. Und langweilig wäre teurer.

Häufige Fragen

Was ist authentisches Marketing?
Authentisches Marketing zeigt das Unternehmen so, wie es wirklich ist: mit echten Mitarbeitern, echten Abläufen und der eigenen Sprache. Es verzichtet auf gebuchte Models, Stockfotos und Werbefloskeln. Der Maßstab: Wer nach dem Content in den Betrieb kommt, darf nicht überrascht sein.

Wirkt Content aus dem Handy nicht unprofessionell?
Nein, im Gegenteil. Auf Social Media wirkt Handy-Content nativ und wird eher angeschaut als sichtbar produzierte Werbung. Unprofessionell wird Content nicht durch die Kamera, sondern durch fehlende Substanz: kein Hook, keine Aussage, kein Grund hinzuschauen.

Was tun, wenn Mitarbeiter nicht vor die Kamera wollen?
Niemanden zwingen. Starte mit den zwei, drei Freiwilligen, die Lust darauf haben, und zeig die ersten Ergebnisse intern. Positive Kommentare und Reaktionen überzeugen Skeptiker besser als jede Ansage von oben. Außerdem gibt es Formate ohne Gesicht: Hände bei der Arbeit, Maschinen, Abläufe.

Wie viel Inszenierung ist bei echtem Content erlaubt?
Planung ja, Verstellung nein. Du darfst dir überlegen, was du zeigst, einen Hook texten und einen zweiten Take drehen. Kippen tut es dort, wo Menschen etwas tun oder sagen, das sie im echten Arbeitsalltag nie tun oder sagen würden, etwa aufgesetzte Trend-Tänze oder fremder Slang.

Quellen

  • Stackla/Nosto Consumer Report, 2021 (88 % Authentizität als Schlüsselfaktor): https://www.businesswire.com/news/home/20210811005194/en/Stackla-Report-Online-Shoppers-Want-More-Authentic-Visuals-Than-Pre-Pandemic
  • Stackla/Nosto Survey, 2019 (92 % der Marketer vs. Konsumenten-Wahrnehmung): https://www.nosto.com/blog/stackla-survey-reveals-disconnect-between-the-content-consumers-want-what-marketers-deliver/
  • Stackla Consumer Content Report, 2019 (UGC 2,4-mal so authentisch): https://www.socialmediatoday.com/news/survey-finds-consumers-crave-authenticity-and-user-generated-content-deli/511360/

Reden wir über dein Marketing.

Wenn du beim Lesen an dein eigenes Unternehmen gedacht hast: Genau dafür sind wir da. Stell uns deine Frage, wir melden uns ehrlich zurück. Ohne Verkaufsfolien, ohne Agentur-Theater.