Es gibt eine Frage, die in fast jedem Erstgespräch fällt: „Sollen wir Google Ads schalten oder lieber was auf Instagram machen?“ Und es gibt eine Antwort, die fast jede Agentur gibt: „Am besten beides!“ Praktischerweise mit doppeltem Budget.

Wir machen das anders. Denn die Frage „Google Ads oder Social Ads“ hat eine echte Antwort. Sie hängt nicht von deinem Bauchgefühl ab und nicht davon, was der Neffe empfiehlt. Sie hängt von einer einzigen Sache ab: Sucht jemand nach dir, oder musst du gefunden werden, bevor jemand sucht?

Wenn du diese Frage beantworten kannst, ist die Entscheidung zu 80 Prozent gefallen. Der Rest ist Handwerk. Gehen wir es durch.

Der Kernunterschied: Nachfrage einsammeln oder Nachfrage erzeugen

Google Ads und Social Ads sind keine Konkurrenten. Sie sind zwei völlig verschiedene Maschinen, die zufällig beide „Werbung“ heißen.

Google Ads fängt Nachfrage ein, die schon existiert. Jemand tippt „Installateur Graz Notdienst“ ein. Dieser Mensch hat ein Problem, jetzt, und sucht eine Lösung. Deine Anzeige steht dort wie ein Taxi am Bahnhof: genau dort, wo jemand gerade eines braucht. Du erzeugst kein Interesse. Du sammelst es ein.

Social Ads erzeugen Nachfrage, die noch nicht existiert. Niemand scrollt durch Instagram und denkt: „Hoffentlich kommt gleich eine Anzeige für eine neue Küche.“ Aber dann kommt ein gutes Video, zeigt eine Küche, in der man sofort kochen will. Und drei Wochen später sitzt derselbe Mensch im Küchenstudio. Social Ads sind kein Taxi am Bahnhof. Sie sind das Schaufenster, an dem du zufällig vorbeigehst und stehen bleibst.

Das ist der ganze Unterschied. Alles andere leitet sich davon ab: Formate, Kosten, Zielgruppen.

Wann Google Ads die richtige Wahl sind

Google Ads gewinnen immer dann, wenn dein Angebot aktiv gesucht wird. Konkret:

  • Es gibt ein akutes Problem. Rohrbruch, kaputte Heizung, Zahnschmerzen, Anwalt für morgen. Hier zählt nur, wer im Moment der Suche sichtbar ist.
  • Dein Produkt hat ein klares Suchwort. „Steuerberater Wien“, „Büroreinigung Steiermark“, „Gebrauchtwagen Ankauf“. Wenn Menschen wissen, wie deine Leistung heißt, können sie danach googeln.
  • Die Kaufentscheidung ist rational. Vergleichen, prüfen, beauftragen. Kein Impuls, keine Emotion nötig.

Der Vorteil: Die Kaufabsicht ist heiß. Wer sucht, will kaufen. Oder zumindest bald. Deshalb sind Google-Leads oft schneller abschlussreif als Social-Leads.

Der Nachteil: Du zahlst für diese Kaufabsicht ordentlich mit. In umkämpften Branchen kosten einzelne Klicks so viel wie ein Mittagessen: Der Branchenschnitt liegt bei 5,26 US-Dollar pro Klick im Suchnetzwerk, bei Anwälten sind es im Schnitt 8,58 US-Dollar (Quelle: WordStream/LocaliQ, 2025). Und: Google Ads skalieren nur so weit, wie gesucht wird. Wenn in deiner Region monatlich 200 Leute nach deiner Leistung googeln, kannst du nicht 2.000 Klicks kaufen. Der Brunnen ist irgendwann leer.

Wann Social Ads die richtige Wahl sind

Social Ads gewinnen, wenn dein Angebot erklärt, gezeigt oder entdeckt werden muss. Konkret:

  • Niemand sucht danach, weil niemand weiß, dass es das gibt. Neue Produkte, besondere Dienstleistungen, alles Erklärungsbedürftige.
  • Dein Produkt lebt vom Anschauen. Essen, Möbel, Mode, Handwerk mit sichtbarem Ergebnis, Erlebnisse. Ein Bild verkauft hier mehr als zehn Suchanzeigen.
  • Du willst eine Marke aufbauen, nicht nur Aufträge abgreifen. Wer nur einsammelt, was andere Marken an Nachfrage erzeugt haben, bleibt austauschbar. Wer selbst Nachfrage erzeugt, dem gehören die Kunden von morgen.
  • Recruiting. Kandidaten mit Job suchen nicht auf Google nach Stellen. Sie scrollen. Dort erwischst du sie.

Der Vorteil: Praktisch unbegrenzte Reichweite und deutlich günstigere Kontaktpreise. Zum Vergleich: Facebook-Traffic-Kampagnen kosten im Schnitt nur 0,70 US-Dollar pro Klick, Lead-Kampagnen rund 1,92 US-Dollar (Quelle: WordStream, 2025). Du erreichst Menschen, bevor der Mitbewerb es tut, nämlich bevor sie überhaupt zu suchen beginnen.

Der Nachteil: Die Kaufabsicht ist kalt. Wer über ein Reel kommt, wollte eigentlich nur kurz abschalten. Zwischen „interessant“ und „gekauft“ liegen mehr Schritte, mehr Zeit, mehr Kontakte. Social Ads brauchen Geduld. Und gute Inhalte. Eine fade Anzeige wird auf Social gnadenlos weitergescrollt, egal wie viel Budget du draufwirfst. Langweilig ist auch hier: teuer.

Die Entscheidungshilfe: 5 Fragen, die du dir ehrlich beantworten musst

Nimm dir zwei Minuten und geh diese Fragen durch. Ehrlich, nicht wunschgetrieben.

1. Googelt jemand nach deiner Leistung?

Prüf es nach. Der Google Keyword Planner zeigt dir kostenlos, wie oft nach deinen Begriffen gesucht wird. Gibt es relevantes Suchvolumen in deiner Region? Dann gehören Google Ads auf den Tisch. Gibt es kaum Suchanfragen? Dann kannst du dort nichts einsammeln. Social ist dein Weg.

2. Wie schnell brauchen deine Kunden dich?

Notfall und akuter Bedarf: Google. Bei Entscheidungsprozessen über Wochen und Monate (Küche, Hausbau, Softwareauswahl, Jobwechsel) baut Social die Beziehung auf, bevor die Entscheidung fällt. Ideal ist hier oft die Kombination: Social wärmt an, Google fängt am Ende auf.

3. Kann man dein Angebot in drei Sekunden verstehen und wollen?

Wenn ein Foto oder ein kurzes Video Gusto macht: Social. Wenn dein Angebot nüchtern, komplex oder unsichtbar ist (Versicherung, Wirtschaftsprüfung, Industrieservice), tut es sich auf Social schwerer. Nicht unmöglich, aber teurer in der Kreation. Dann sind Google Ads oft der direktere Weg.

4. Wie viel Content kannst du liefern?

Google Ads laufen mit Textanzeigen, die du einmal sauber aufsetzt. Social Ads fressen Kreation: Videos, Bilder, Varianten, Nachschub. Wenn du weder Zeit noch Partner für laufenden Content hast, werden Social Ads schnell zur Dauerbaustelle. Das muss dir vorher klar sein.

5. Was ist dir ein Kunde wert?

Bei hohem Kundenwert (Bauprojekte, B2B-Verträge, Behandlungen über Jahre) verkraftest du auch teure Google-Klicks. Bei kleinen Warenkörben zählt jeder Cent pro Kontakt. Hier spielen Social Ads ihre günstigen Reichweiten aus.

Die ehrliche Antwort für die meisten KMU

Jetzt kommt der Teil, den wir oben den Agenturen noch vorgeworfen haben. Mit einem entscheidenden Unterschied: „Beides“ stimmt oft, aber nicht gleichzeitig und nicht mit doppeltem Budget.

Die sinnvolle Reihenfolge für die meisten Betriebe sieht so aus:

  1. Start mit dem Kanal, der zu deiner Nachfrage-Situation passt. Wird gesucht: Google zuerst. Wird nicht gesucht: Social zuerst. Ein Kanal, sauber aufgesetzt, mit funktionierendem Tracking. Nicht zwei Kanäle halbherzig.
  2. Erst messen, dann erweitern. Wenn der erste Kanal verlässlich Anfragen liefert und du weißt, was dich eine Anfrage kostet, nimmst du den zweiten dazu.
  3. Dann greifen die Kanäle ineinander. Social macht dich bekannt, Google fängt die ein, die später nach dir googeln. Und zwar nach deinem Namen, was deutlich billiger ist als umkämpfte Keywords. Wer beide Maschinen laufen hat, merkt: Sie füttern einander.

Was du vermeiden solltest: 500 Euro hier, 500 Euro dort, drei Monate, „hat nix gebracht“, alles abdrehen. Das ist kein Test. Das ist Budget-Verbrennung mit Ansage. Ein Kanal braucht ein ernst gemeintes Budget und ein paar Monate Lernzeit, sonst weißt du am Ende genau: nichts.

Der Fehler, der beide Kanäle ruiniert

Egal wie du dich entscheidest, ein Fehler macht beide Wege kaputt: eine Website, die nicht verkauft. Du kannst den perfekten Klick einkaufen, auf Google wie auf Instagram. Wenn dahinter eine Seite wartet, die langsam lädt, nichts verspricht und kein klares Formular hat, war der Klick umsonst. Bezahlter Traffic verstärkt nur, was da ist. Eine gute Seite wird mit Ads zur Anfragen-Maschine. Eine schwache Seite wird mit Ads zur teuren schwachen Seite.

Also: Bevor du auch nur einen Euro in Google Ads oder Social Ads steckst, schau dir an, wo diese Klicks landen. Das ist die unglamouröseste, aber wirksamste Optimierung im ganzen Spiel.

Und wenn du wissen willst, welcher Kanal für dein konkretes Geschäft der richtige erste Schritt ist: Wir schauen uns das gemeinsam an, ohne Reflex-Antwort „beides“. Reden wir.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Google Ads und Social Ads?
Google Ads erreichen Menschen, die aktiv nach einer Leistung suchen. Die Kaufabsicht ist bereits da. Social Ads (Instagram, Facebook, TikTok, LinkedIn) erreichen Menschen beim Scrollen und erzeugen Interesse, das vorher nicht existierte. Das eine sammelt Nachfrage ein, das andere baut sie auf.

Was ist günstiger: Google Ads oder Social Ads?
Pro Klick sind Social Ads meist deutlich günstiger, dafür ist die Kaufabsicht kälter und der Weg zum Abschluss länger. Google-Klicks kosten in umkämpften Branchen mehr, liefern aber Anfragen mit akutem Bedarf. Entscheidend ist nicht der Klickpreis, sondern was dich eine echte Anfrage kostet.

Kann ich Google Ads und Social Ads gleichzeitig schalten?
Ja, langfristig ergänzen sie sich sogar sehr gut: Social macht bekannt, Google fängt die spätere Suche ein. Für den Einstieg empfiehlt sich aber ein Kanal mit vollem Fokus und sauberem Tracking. Zwei halbherzig betriebene Kanäle liefern meist doppelt nichts.

Welche Werbung passt für lokale Unternehmen?
Wenn deine Leistung aktiv gesucht wird (Handwerk, Notdienste, Ärzte, Kanzleien), sind lokale Google Ads meist der schnellste Weg zu Anfragen. Für Gastronomie, Einzelhandel, Freizeit und Recruiting funktionieren regional ausgesteuerte Social Ads oft besser, weil sie Lust erzeugen statt nur Bedarf zu decken.

Wie viel Budget brauche ich für den Start?
So viel, dass in zwei bis drei Monaten genug Daten für echte Aussagen zusammenkommen: je nach Branche meist ein mittlerer dreistelliger bis niedriger vierstelliger Betrag pro Monat. Weniger ist kein kleiner Test, sondern gar keiner: Die Systeme brauchen Daten, um zu lernen.

Quellen

  • WordStream/LocaliQ, 2025: https://www.wordstream.com/blog/2025-google-ads-benchmarks
  • WordStream, 2025: https://www.wordstream.com/blog/facebook-ads-benchmarks-2025