Es beginnt selten mit einem Knall. Es beginnt mit einem Gefühl beim Monatsreport. Die Zahlen schauen ordentlich aus, die Agentur klingt zufrieden, aber du kannst dich nicht erinnern, wann das letzte Mal eine echte Anfrage über LinkedIn gekommen ist. Die Postings? Austauschbar. Die Ads? Laufen halt. Die Strategie? Wurde vor eineinhalb Jahren präsentiert und seither nicht mehr angegriffen.
Viele Unternehmen bleiben in dieser Situation erstaunlich lange. Nicht aus Überzeugung, sondern aus Angst vor dem Umzug: Wer hat eigentlich die Zugänge? Was passiert mit den Kampagnendaten? Und fängt die neue Agentur wieder bei null an?
Berechtigte Fragen. Aber sie haben Antworten. Schauen wir uns beides an: wann du deine LinkedIn Agentur wechseln solltest und wie der Wechsel ohne Chaos gelingt.
Die 5 Warnsignale, dass es Zeit ist
1. Du bekommst Reichweite statt Ergebnisse. Impressionen, Follower, Engagement-Rate: alles nette Zahlen. Aber LinkedIn ist für die meisten Unternehmen ein Vertriebskanal, kein Schaufenster. Immerhin nutzen 89 Prozent der B2B-Marketer LinkedIn zur Lead-Generierung (Quelle: Sopro, 2025). Wenn dein Report nach zwölf Monaten noch immer keine Verbindung zwischen LinkedIn-Aktivität und Anfragen, Terminen oder Deals herstellen kann, misst deine Agentur das Falsche. Oder sie misst das Richtige und zeigt es dir lieber nicht.
2. Der Content könnte von jeder Firma sein. Tausch gedanklich dein Logo gegen das deines Mitbewerbers. Funktioniert der Beitrag immer noch? Dann hat deine Agentur eine Vorlage, aber keine Ahnung von deinem Geschäft. Gerade auf LinkedIn, wo Entscheider täglich denselben Einheitsbrei serviert bekommen, ist Austauschbarkeit das Todesurteil.
3. Es redet nur noch der Account Manager. Am Anfang saß die Strategin am Tisch, jetzt bekommst du Statusmails. Wenn seit Monaten niemand mehr eine unbequeme Frage gestellt, eine neue Idee gebracht oder eine Annahme infrage gestellt hat, wirst du verwaltet. Verwaltung kannst du billiger haben.
4. Die Ads-Budgets laufen auf Autopilot. Gleiche Zielgruppen, gleiche Anzeigen, gleiche Budgetverteilung wie vor einem Jahr. LinkedIn Ads sind zu teuer für Autopilot: Klickpreise von mehreren Euro verzeihen keine Bequemlichkeit. Eine Agentur, die nicht laufend testet und aussortiert, verbrennt dein Geld in Zeitlupe.
5. Du lernst nichts. Eine gute Agentur macht dich Monat für Monat klüger über deine eigene Zielgruppe: Welche Themen ziehen, welche Formate, welche Argumente. Wenn du nach einem Jahr Zusammenarbeit nicht schlauer bist als davor, fließt Wissen nur in eine Richtung. Nämlich gar keine.
Wichtig zur Fairness: Ein schwaches Quartal ist kein Wechselgrund. LinkedIn braucht Anlaufzeit, Algorithmus-Schwankungen treffen alle, und manchmal liegt das Problem im eigenen Haus, etwa wenn Freigaben wochenlang liegen bleiben. Der Wechselgrund ist nie eine schlechte Zahl. Der Wechselgrund ist eine Agentur, die auf schlechte Zahlen nicht reagiert.
Vor der Kündigung: die Bestandsaufnahme
Bevor du kündigst, klär drei Dinge. In dieser Reihenfolge:
Erstens: Wem gehört was? Lies deinen Vertrag. Entscheidend sind die Zugriffsrechte auf die Unternehmensseite, den LinkedIn-Kampagnenmanager, das Werbekonto und die Rohdaten der bisherigen Kampagnen. Faustregel: Unternehmensseite und Werbekonto müssen auf dein Unternehmen laufen, nie auf die Agentur. Ist das nicht der Fall, ist genau das dein erster Verhandlungspunkt vor der Kündigung, nicht nach ihr.
Zweitens: Was ist dokumentiert? Zielgruppen-Definitionen, Kampagnenstrukturen, gelernte Erkenntnisse, Content-Pläne, Bildmaterial. Fordere eine vollständige Übergabedokumentation an, solange die Zusammenarbeit noch läuft. Danach sinkt die Motivation erfahrungsgemäß rapide.
Drittens: Wann läuft was aus? Kündigungsfristen, laufende Kampagnen, gebuchte Drehtage. Der beste Wechselzeitpunkt ist ein natürlicher Einschnitt: Quartalsende, Kampagnenende, Jahreswechsel.
Der Wechsel ohne Reichweiten-Loch: die Übergabe-Checkliste
So sieht ein sauberer Umzug aus:
- Admin-Rechte sichern. Mindestens zwei Personen aus deinem Unternehmen sind Super-Admins der Unternehmensseite und haben Vollzugriff auf das Werbekonto. Vor allem anderen.
- Werbekonto behalten, nicht neu anlegen. Die Kampagnenhistorie ist Gold wert: Die neue Agentur sieht, was funktioniert hat, und muss nicht bei null testen. Ein neues Konto bedeutet, dass alle Lernphasen von vorne beginnen.
- Übergabedokument einfordern. Zielgruppen, aktive Kampagnen, Budgets, bisherige Ergebnisse, Content-Learnings, offene Freigaben. Zwei bis vier Seiten reichen, aber sie müssen existieren.
- Überlappung einplanen, wenn möglich. Zwei bis vier Wochen, in denen die alte Agentur ausläuft und die neue aufbaut, verhindern das Loch im Content-Kalender. Auf LinkedIn straft der Algorithmus lange Pausen mit zäher Wiederanlaufzeit.
- Der neuen Agentur reinen Wein einschenken. Zeig ihr auch, was nicht funktioniert hat. Die schlechteste Basis für einen Neustart ist ein geschönter Rückblick.
Und woran erkennst du, dass die nächste besser wird?
Am Erstgespräch. Eine gute LinkedIn-Agentur fragt zuerst nach deinem Vertriebsprozess, deinen Wunschkunden und deinen Zahlen, nicht nach deinem Posting-Budget. Sie verspricht keine Follower, sondern definiert mit dir, woran ihr den Erfolg in sechs Monaten messen werdet. Und sie erklärt dir von sich aus, dass alle Konten und Daten dir gehören. Wer das im ersten Gespräch klärt, plant offensichtlich nicht damit, dich später am Gehen zu hindern.
Der Wechsel selbst ist übrigens fast immer kleiner, als er sich anfühlt. Zwei Wochen geordnete Übergabe, und das Kapitel ist erledigt. Das eigentliche Risiko ist nicht der Wechsel. Es ist das dritte Jahr mit einer Agentur, die längst innerlich gekündigt hat.
Wenn du gerade abwägst, ob dein LinkedIn-Auftritt mehr könnte: Wir schauen uns Setup und Zahlen gern ehrlich an, auch wenn am Ende rauskommt, dass du gar nicht wechseln musst. Mehr zu unserer Arbeitsweise findest du bei unserer Marketing-Agentur in Graz.
Häufige Fragen
Wann sollte man die LinkedIn Agentur wechseln?
Wenn nach zwölf Monaten keine Verbindung zwischen LinkedIn-Aktivität und echten Geschäftsergebnissen erkennbar ist, der Content austauschbar wirkt und die Agentur auf Kritik nicht mit Veränderung reagiert. Ein einzelnes schwaches Quartal ist dagegen kein Wechselgrund, fehlende Reaktion darauf schon.
Wem gehören LinkedIn-Seite und Werbekonto bei einer Agentur-Zusammenarbeit?
Beides sollte immer auf das Unternehmen laufen, nie auf die Agentur. Mindestens zwei eigene Mitarbeiter sollten Super-Admin-Rechte auf der Unternehmensseite und Vollzugriff auf das Werbekonto haben. Ist das nicht so, sollte es vor der Kündigung korrigiert werden.
Verliert man beim Agenturwechsel die bisherigen Kampagnendaten?
Nicht, wenn das Werbekonto dem Unternehmen gehört und weiterverwendet wird. Die Kampagnenhistorie bleibt dann vollständig erhalten und die neue Agentur kann auf den Erkenntnissen aufbauen. Kritisch wird es nur, wenn das Konto der alten Agentur gehört und neu angelegt werden muss.
Wie lange dauert ein sauberer Wechsel der LinkedIn Agentur?
Mit geordneter Übergabe etwa vier bis acht Wochen von der Kündigung bis zum vollen Betrieb der neuen Agentur. Ideal ist eine Überlappungsphase von zwei bis vier Wochen, damit im Content-Kalender kein Loch entsteht, das der Algorithmus mit zäher Wiederanlaufzeit bestraft.
Quellen
- Sopro, 2025: https://sopro.io/resources/blog/linkedin-lead-generation-statistics/
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