Es gibt zwei Arten von Unternehmen im Jänner. Die einen posten am 7. Jänner hektisch ein Neujahrs-Sujet, weil ihnen auffällt, dass der Kanal seit Weihnachten schweigt. Die anderen wissen bereits, was im März gedreht wird, wann die Recruiting-Welle startet und welches Budget im Herbst für die Messe reserviert ist.
Der Unterschied zwischen beiden ist kein Talent und kein Budget. Es ist ein einziger Arbeitstag im Herbst davor.
Die gute Nachricht: Ein Marketing-Jahresplan für 2027 ist keine Doktorarbeit. Er ist eine Reihe von Entscheidungen, die du an einem Tag treffen kannst, wenn du sie in der richtigen Reihenfolge triffst. Und es zahlt sich aus: Marketer mit dokumentierter Strategie berichten um 414 Prozent häufiger von Erfolg als jene ohne (Quelle: CoSchedule, 2022). Nicht, weil das Papier zaubert. Sondern weil aufgeschriebene Entscheidungen getroffen sind, während gedachte Entscheidungen jeden Montag neu diskutiert werden.
So sieht der Tag aus.
Vormittag, Teil 1: Der ehrliche Rückblick (2 Stunden)
Bevor du 2027 planst, musst du wissen, was 2026 wirklich passiert ist. Nicht gefühlt. Wirklich. Nimm dir zwei Stunden und beantworte vier Fragen mit Zahlen:
- Woher kamen die Kunden? Geh die letzten 20 Aufträge durch und notiere die Quelle: Empfehlung, Google, Social Media, Messe, Bestandskunde. Das Ergebnis überrascht fast immer.
- Was hat funktioniert? Die drei Aktivitäten mit der besten Wirkung. Ein Reel, das Anfragen gebracht hat. Eine Kampagne, die Bewerbungen geliefert hat.
- Was hat Geld gekostet und nichts gebracht? Die unangenehmste Frage, deshalb die wichtigste. Das Inserat aus Gewohnheit, das Sponsoring ohne Wirkung, der Kanal, den niemand betreut hat.
- Was wurde geplant und nie umgesetzt? Wenn der Podcast seit zwei Jahren „demnächst startet“, gehört er entweder ins erste Quartal oder ehrlich begraben.
Dieser Rückblick ist der halbe Plan. Denn die beste Prognose für das, was 2027 funktioniert, ist das, was 2026 funktioniert hat.
Vormittag, Teil 2: Drei Ziele, nicht dreißig (1 Stunde)
Jetzt kommt die Verlockung, alles auf einmal zu wollen: mehr Follower, mehr Anfragen, mehr Bewerber, neue Website, Newsletter, TikTok. Widersteh ihr. Ein Jahresplan mit dreißig Zielen ist ein Wunschzettel, kein Plan.
Wähle maximal drei Ziele, und formuliere sie so, dass im Dezember 2027 jeder im Raum sagen kann, ob sie erreicht wurden. „Sichtbarer werden“ ist kein Ziel. „40 qualifizierte Anfragen über die Website“ ist eines. „Zwei Lehrlinge über Social Media finden“ auch.
Ein guter Test: Jedes Ziel muss auf eine unternehmerische Notwendigkeit zurückgehen. Brauchst du Aufträge? Mitarbeiter? Bekanntheit in einer neuen Region? Marketingziele, die kein Geschäftsproblem lösen, sind Beschäftigungstherapie.
Nachmittag, Teil 1: Das Jahr aufs Papier (2 Stunden)
Jetzt wird das Jahr sichtbar gemacht. Zeichne zwölf Spalten, eine pro Monat, und trag drei Ebenen ein:
Ebene 1: Die Fixpunkte. Alles, was ohnehin stattfindet: Messen, Saisonspitzen, Betriebsurlaub, Produkteinführungen, Jubiläen. Diese Termine diktieren den Rhythmus. Wer im steirischen Handel arbeitet, weiß: Das Weihnachtsgeschäft wird im September vorbereitet, nicht im November.
Ebene 2: Die Kampagnen. Pro Ziel ein bis zwei Schwerpunkt-Zeiträume. Die Recruiting-Kampagne vor dem Schulabschluss. Die Anfragen-Offensive in der auftragsschwachen Zeit, damit sie wirkt, wenn du sie brauchst. Wichtig: Kampagnen brauchen Vorlauf. Ein Drehtag will geplant, Material will geschnitten sein. Rechne von der Veröffentlichung sechs bis acht Wochen zurück.
Ebene 3: Der Dauerbetrieb. Das, was immer läuft: die wöchentlichen Reels, der monatliche Newsletter, die Google-Bewertungen. Der Dauerbetrieb ist unspektakulär und genau deshalb der Teil, der im Alltag zuerst stirbt. Im Plan bekommt er feste Verantwortliche und feste Slots.
Mehr als das braucht der Plan nicht. Eine Seite. Wenn er länger wird, wird er nicht besser, sondern ungelesen.
Nachmittag, Teil 2: Budget und Verantwortung (1,5 Stunden)
Ein Plan ohne Budget ist eine Hoffnung. Verteile jetzt das Jahresbudget grob auf die Monate und Schwerpunkte, inklusive einer ehrlichen Reserve von zehn bis fünfzehn Prozent für Chancen, die sich unterm Jahr ergeben. Das virale Thema, die kurzfristige Kooperation, der Moment, in dem ein Mitbewerber schwächelt: Wer keine Reserve hat, kann nicht zugreifen.
Dann die Frage, an der die meisten Jahrespläne sterben: Wer macht es? Hinter jeder Zeile im Plan muss ein Name stehen. Nicht „das Team“, nicht „Marketing“, sondern ein Mensch. Und wenn intern niemand die Zeit hat, ist das keine Schande, sondern eine Erkenntnis, die du im Oktober günstiger hast als im März: Dann gehört die Umsetzung ausgelagert oder der Plan verkleinert.
Die letzte Stunde: Der Jänner-Test
Zum Abschluss prüfst du den Plan gegen die Realität. Stell dir die zweite Jännerwoche 2027 vor: volle Auftragsbücher, ein kranker Kollege, keine Zeit. Was passiert mit deinem Plan? Wenn die Antwort „nichts, er läuft trotzdem“ lautet, ist er gut. Wenn die Antwort „dann verschieben wir mal“ lautet, ist er zu ambitioniert.
Plane für das Unternehmen, das du bist, nicht für das, das du gerne wärst. Ein bescheidener Plan, der durchgehalten wird, schlägt jeden ambitionierten, der im Februar aufgegeben wird. Konsequenz ist im Marketing der am meisten unterschätzte Erfolgsfaktor.
Ein Nachsatz zum Zeitpunkt: Der beste Monat für diesen Planungstag ist Oktober oder November. Das Jahr ist noch frisch genug für einen ehrlichen Rückblick, und 2027 ist noch weit genug weg, um in Ruhe zu entscheiden. Wer den Tag jetzt in den Kalender schreibt, hat den wichtigsten Schritt schon getan.
Und wenn du diesen Tag lieber nicht allein bestreitest: Ein Blick von außen deckt in einer Stunde Muster auf, für die man intern betriebsblind ist. Wir moderieren solche Planungstage regelmäßig für steirische Betriebe und bringen die unbequemen Fragen gleich mit.
Häufige Fragen
Wann sollte ich den Marketing-Jahresplan für 2027 erstellen?
Idealerweise im Oktober oder November 2026. Dann liegen genug Daten für einen ehrlichen Rückblick vor, und es bleibt Zeit, Budgets, Drehtage und Kampagnen mit Vorlauf zu planen. Wer erst im Jänner plant, verliert das erste Quartal an die Hektik des Tagesgeschäfts.
Wie detailliert muss ein Marketing-Jahresplan sein?
Eine Seite reicht. Der Plan braucht drei Ebenen: Fixpunkte wie Messen und Saisonspitzen, ein bis zwei Kampagnen-Schwerpunkte pro Ziel und den laufenden Grundbetrieb mit Verantwortlichen. Detailplanung wie einzelne Postings folgt dann pro Quartal oder Monat, nicht im Jahresplan.
Was kostet ein Marketing-Jahresplan mit einer Agentur?
Das hängt vom Umfang ab: Ein moderierter Planungstag inklusive Vorbereitung und ausgearbeitetem Plan ist bei den meisten Agenturen ab einem vierstelligen Betrag zu haben. Verglichen mit einem einzigen wirkungslosen Inserat, das aus Gewohnheit gebucht wird, rechnet sich diese Investition meist im ersten Quartal.
Was mache ich, wenn der Plan unterm Jahr nicht mehr passt?
Anpassen, nicht wegwerfen. Ein Quartals-Check von einer Stunde reicht: Was läuft, was nicht, was hat sich verändert? Die Ziele bleiben stabil, die Maßnahmen dürfen sich bewegen. Dafür ist auch die Budgetreserve von zehn bis fünfzehn Prozent da, die jeder gute Jahresplan enthält.
Quellen
- CoSchedule, 2022: https://coschedule.com/marketing-statistics
Reden wir über dein Marketing.
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