Ein Posting da, ein Inserat dort, im Herbst die Messe, weil sie schon immer gebucht war. So läuft Marketing in vielen Betrieben. Nicht aus Faulheit, sondern weil der Alltag laut ist und die Planung leise. Das Ergebnis: viel Bewegung, wenig Richtung.

Dabei ist der Unterschied messbar. Marketer mit dokumentierter Strategie berichten laut CoSchedule um 414 % häufiger von Erfolg als jene ohne (Quelle: CoSchedule, 2022). Nicht, weil ein Dokument zaubern kann. Sondern weil eine aufgeschriebene Marketingstrategie dich zwingt, die unbequemen Fragen einmal sauber zu beantworten, bevor du Geld ausgibst. Genau diese Fragen gehen wir jetzt durch.

Bevor du planst: Schau auf deine Zahlen

Jede brauchbare Strategie beginnt mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme. Bevor du überlegst, was du tun willst, musst du wissen, wo du stehst:

  • Woher kommen deine Kunden heute? Empfehlung, Google, Social Media, Stammkundschaft? Frag nach, zähl mit. Die Antwort überrascht fast immer.
  • Welche Leistungen verdienen wirklich Geld? Umsatz und Deckungsbeitrag sind zwei verschiedene Geschichten. Bewirb das, was sich rechnet, nicht das, was am lautesten nach Aufmerksamkeit ruft.
  • Was hat dein Marketing letztes Jahr gekostet und was hat es gebracht? Auch eine grobe Rechnung ist besser als keine.

Zwei Stunden mit diesen drei Fragen bringen dir mehr als jedes Trend-Webinar. Denn jetzt planst du auf Basis von Fakten, nicht von Gefühl.

Ziele: „Mehr Sichtbarkeit“ ist keines

„Wir wollen sichtbarer werden.“ „Wir wollen mehr Anfragen.“ Solche Sätze fühlen sich nach Zielen an, sind aber Wünsche. Ein Ziel erkennst du daran, dass du am Jahresende eindeutig sagen kannst, ob du es erreicht hast.

Brauchbar klingt das so: 40 qualifizierte Anfragen über die Website bis Juni. Drei neue Wartungsverträge pro Quartal. Acht Bewerbungen auf die Lehrstelle bis März. Zahl, Zeitraum, fertig.

Auch hier liefert die Forschung ein klares Bild: Wer sich Ziele setzt, berichtet um 377 % häufiger von Erfolg als jene, die ohne Ziele arbeiten (Quelle: CoSchedule, 2022). Der Grund ist banal: Ein konkretes Ziel entscheidet für dich. Es sagt dir, welche Maßnahme reingehört und welche nur nett wäre.

Marketingstrategie und Markenstrategie: nicht dasselbe

Kurz zur Begriffsklärung, weil die beiden ständig verwechselt werden: Die Markenstrategie klärt, wer du bist – deine Positionierung, deine Werte, dein Versprechen. Die Marketingstrategie klärt, wie du damit Kunden gewinnst: welche Maßnahmen, welche Kanäle, welches Budget, welcher Zeitplan. Die Marke ist das Fundament, das Marketing ist der Weg, auf dem sie zu den richtigen Leuten kommt. In diesem Artikel geht es um den zweiten Teil.

Wunschkunden: Wen willst du erreichen und wen bewusst nicht?

„Unsere Zielgruppe sind alle, die ein Haus besitzen.“ Mit so einer Definition kannst du keine einzige Marketingentscheidung treffen. Denn wer alle meint, formuliert Botschaften, die niemanden treffen.

Denk lieber an deine besten fünf Kunden der letzten zwei Jahre. Die, bei denen die Zusammenarbeit gepasst hat, die pünktlich gezahlt haben, die dich weiterempfohlen haben. Was haben sie gemeinsam? Branche, Größe, Region, Anlass? Das ist dein Wunschkunde. Dein Marketing muss nicht die Masse erreichen, sondern mehr von genau diesen Leuten.

Genauso wichtig: Entscheide, wen du nicht mehr willst. Preisdrücker, Einmal-Aufträge, Projekte außerhalb deiner Stärken. Jede Stunde Marketing für die falschen Kunden fehlt dir bei den richtigen.

Deine Botschaft: Ein Satz, den man weitersagen kann

Wenn Ziel und Wunschkunde klar sind, brauchst du eine Kernbotschaft. Keinen Slogan aus dem Kreativ-Workshop, sondern eine einfache Antwort auf die Frage: Warum sollte dein Wunschkunde zu dir kommen und nicht zum Mitbewerber drei Straßen weiter?

Der Test ist simpel: Kann ein zufriedener Kunde deinen Satz beim Wirt weitererzählen, ohne zu stocken? „Die machen Badsanierung in zehn Tagen, mit Fixpreis“ funktioniert. „Wir bieten innovative Komplettlösungen im Sanitärbereich“ funktioniert nicht. Diese eine Botschaft zieht sich dann durch alles: Website, Social Media, Inserate, Messestand. Wiederholung ist hier kein Fehler, sondern der ganze Punkt.

Kanalwahl: Wenige Kanäle, aber richtig

Jetzt erst, nach Ziel, Wunschkunde und Botschaft, kommt die Frage, die viele an den Anfang stellen: Wo spielen wir? Und die ehrliche Antwort lautet fast immer: auf weniger Kanälen, als du glaubst.

Ein KMU mit begrenzter Zeit fährt mit zwei gut bespielten Kanälen besser als mit fünf halbherzigen. Welche zwei? Das ergibt sich aus deiner Analyse: Dort, wo deine Wunschkunden tatsächlich sind, und dort, wo du realistisch dranbleiben kannst. Für den regionalen Installateur können das Google-Unternehmensprofil und Instagram sein. Für den B2B-Zulieferer LinkedIn und ein sauberer Newsletter. Es gibt keine Pflichtkanäle, es gibt nur passende.

Ein Kanal zählt übrigens fast immer dazu und wird trotzdem ständig vergessen: die eigene Website. Sie ist der einzige Ort, der dir gehört und auf den alle anderen Kanäle einzahlen.

Budget und Ressourcen: ehrlich rechnen

Eine Strategie ohne Budget ist ein Wunschzettel. Leg fest, wie viel Geld und wie viel interne Zeit pro Monat wirklich verfügbar sind, und plane nur Maßnahmen, die damit auskommen. Lieber ein Kanal konsequent als drei Kanäle auf Sparflamme. Wie du die Höhe deines Budgets sinnvoll bestimmst, haben wir in einem eigenen Artikel mit Faustformeln durchgerechnet, deshalb hier nur der wichtigste Grundsatz: Zeit ist auch Budget. Wer intern zehn Stunden pro Woche für Content einplant, muss diese Stunden irgendwo hernehmen.

Der Jahresplan: Rhythmus schlägt Spontanität

Die beste Strategie scheitert am Kalender, wenn sie keinen bekommt. Übersetze deine Maßnahmen deshalb in einen Jahresrhythmus: Wann läuft welche Kampagne, wann sind deine saisonalen Spitzen, wann ist Zeit für Recruiting-Themen? Wie du so einen Jahresplan an einem einzigen Tag aufsetzt, zeigen wir dir Schritt für Schritt im Artikel zum Marketing-Jahresplan. Für die Strategie reicht die Erkenntnis: Ein fixer Rhythmus schützt dich vor der teuersten Marketingform überhaupt, dem Panik-Marketing, wenn gerade Aufträge fehlen.

Messen und nachschärfen

Eine Marketingstrategie ist kein Denkmal, sondern ein Arbeitsdokument. Nimm dir einmal pro Quartal eine Stunde und stell drei Fragen: Sind wir auf Kurs zu unseren Zielen? Welche Maßnahme bringt Ergebnisse, welche nur Beschäftigung? Was ändern wir im nächsten Quartal?

Wichtig dabei: Nachschärfen heißt justieren, nicht umwerfen. Du drehst an der Umsetzung, nicht alle drei Monate an der Richtung.

Die drei häufigsten Fehler

Aktionismus ohne Plan. Es wird gepostet, geschaltet und gesponsert, weil sich Aktivität nach Fortschritt anfühlt. Ohne Ziel dahinter ist das Beschäftigungstherapie mit Werbebudget.

Jedes Jahr eine neue Idee. Heuer Employer Branding, nächstes Jahr TikTok, dann wieder Print. Marketing wirkt über Wiederholung, und wer jährlich die Richtung wechselt, fängt jährlich bei null an.

Kanal-Hopping. Drei Monate Instagram, dann „bringt nichts“, dann drei Monate LinkedIn, dann wieder „bringt nichts“. Kein Kanal liefert in einem Quartal. Die meisten Betriebe geben genau dann auf, wenn es anfangen würde zu wirken.

Alle drei Fehler haben dieselbe Wurzel: Es fehlt der schriftliche Plan, an dem man Kurs halten kann. Genau dafür ist die Strategie da. Ein Dokument, zehn Seiten, vielleicht weniger. Aber eines, das jede Marketingentscheidung des Jahres schneller und billiger macht.

Wenn du dabei Unterstützung willst, die nicht bei der Idee aufhört, sondern bis zur Umsetzung denkt: Meld dich bei uns. Langweilig ist teuer, planlos auch.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Marketingstrategie und Marketingplan?
Die Marketingstrategie legt die Richtung fest: Ziele, Wunschkunden, Botschaft, Kanäle und Budgetrahmen. Der Marketingplan übersetzt diese Richtung in den Kalender: welche Maßnahme wann läuft, wer sie umsetzt und was sie kostet. Erst die Strategie, dann der Plan, denn ein Plan ohne Richtung ist nur eine To-do-Liste.

Wie viel Budget sollte ein KMU für Marketing einplanen?
Als grobe Orientierung investieren KMU häufig zwischen 3 und 8 % des Umsatzes, je nach Branche, Wachstumsziel und Wettbewerbsdruck. Wichtiger als die exakte Prozentzahl ist, dass das Budget fix eingeplant wird und zur Strategie passt. Wer nur ausgibt, was übrig bleibt, macht Marketing zur Restgröße.

Wie oft sollte man seine Marketingstrategie überarbeiten?
Die Grundrichtung sollte mehrere Jahre halten, sonst war es keine Strategie. Sinnvoll ist ein kurzer Quartals-Check zur Umsetzung und einmal im Jahr eine größere Überprüfung: Stimmen Ziele, Wunschkunden und Kanäle noch? Nachjustiert wird laufend, die Richtung gewechselt nur bei echten Veränderungen im Markt oder im Betrieb.

Braucht ein kleines Unternehmen mit vollen Auftragsbüchern überhaupt Marketing?
Gerade dann. Volle Bücher heute sind das Ergebnis der Sichtbarkeit von gestern, und wer erst wirbt, wenn die Aufträge ausbleiben, zahlt drauf: Panik-Marketing ist teuer und wirkt langsam. Ein schlanker, laufender Grundrhythmus sorgt dafür, dass Anfragen auch dann kommen, wenn die Konjunktur dreht.

Quellen

  • CoSchedule, 2022 Trend Report: Marketers mit dokumentierter Strategie berichten um 414 % häufiger von Erfolg; Ziele-Setzer um 377 % häufiger: https://coschedule.com/marketing-statistics

Reden wir über dein Marketing.

Wenn du beim Lesen an dein eigenes Unternehmen gedacht hast: Genau dafür sind wir da. Stell uns deine Frage, wir melden uns ehrlich zurück. Ohne Verkaufsfolien, ohne Agentur-Theater.