Es gibt eine Frage, die auf Agentur-Websites auffällig selten beantwortet wird: Was kostet das eigentlich? Stattdessen: „Kontaktieren Sie uns für ein individuelles Angebot.“ Verständlich aus Agentursicht. Frustrierend aus deiner.

Deshalb hier das Gegenteil: ein ehrlicher Überblick über Online Marketing Agentur Preise, die gängigen Preismodelle, ihre Vor- und Nachteile und die Stellen, an denen du genauer hinschauen solltest. Damit du im nächsten Angebotsgespräch nicht raten musst, ob die Zahl auf dem Papier fair ist.

Die Basis: Was eine Agenturstunde kostet

Fast jedes Preismodell basiert am Ende auf Arbeitszeit. In Österreich liegen die marktüblichen Stundensätze von Agenturen je nach Größe, Spezialisierung und Standort zwischen 90 und 160 Euro, der Marktdurchschnitt bewegt sich um die 130 Euro (Quelle: Agenturfinder, 2026). Große Wiener Häuser liegen darüber, kleinere Agenturen in den Bundesländern meist darunter.

Wichtig zum Einordnen: Das ist kein Gehalt, sondern ein Vollkostensatz. Darin stecken Löhne, Software, Equipment, Weiterbildung, Bürokosten und die unproduktiven Stunden, die jede Dienstleistung mit sich bringt. Ein Stundensatz von 60 Euro ist deshalb kein Schnäppchen, sondern ein Hinweis darauf, dass irgendwo gespart wird. Meist an Erfahrung.

Die vier Preismodelle im Überblick

1. Der Stundensatz: flexibel, aber schwer planbar

Du zahlst, was gearbeitet wird. Das passt für kleinere, unregelmäßige Aufgaben: eine Kampagne einstellen, eine Beratung, ein Textpaket.

Vorteil: Du zahlst nur echten Aufwand, keine Pauschale in ruhigen Monaten.
Nachteil: Du weißt vorher nicht genau, was am Monatsende steht. Und du zahlst für Lernkurven mit, wenn die Agentur dein Geschäft noch nicht kennt.
Worauf achten: Lass dir Aufwandsschätzungen vor Projektstart geben und vereinbare eine Obergrenze, ab der Rücksprache gehalten wird.

2. Die monatliche Pauschale (Retainer): der Standard für laufende Betreuung

Ein fixer Monatsbetrag für ein definiertes Leistungspaket, etwa Social-Media-Betreuung, Ads-Management oder SEO. Für laufendes Online Marketing das häufigste Modell, bei KMU-Betreuung meist zwischen einigen Hundert und mehreren Tausend Euro pro Monat, je nach Umfang.

Vorteil: Planbare Kosten für beide Seiten, die Agentur kann Ressourcen fix einplanen, du bekommst Priorität.
Nachteil: Die Pauschale kann zur Blackbox werden. Wenn nicht definiert ist, was drinsteckt, weißt du nie, ob du zu viel zahlst.
Worauf achten: Bestehe auf einer konkreten Leistungsbeschreibung: Anzahl der Inhalte, enthaltene Drehtage, Reporting-Rhythmus, Reaktionszeiten. „Betreuung deiner Kanäle“ ist keine Leistungsbeschreibung, sondern ein Gummiband.

3. Der Projektpreis: klar umrissen, klar bepreist

Ein fixer Preis für ein fixes Ergebnis: eine Website, eine Kampagne, ein Markenauftritt, eine Videoserie.

Vorteil: Maximale Kostensicherheit, das Risiko für Mehraufwand liegt bei der Agentur.
Nachteil: Jede Änderung am Umfang kostet extra, und billig kalkulierte Projektpreise rächen sich in der Qualität. Die Agentur muss irgendwo kürzen, und du siehst nicht, wo.
Worauf achten: Kläre, wie viele Korrekturschleifen enthalten sind und was Änderungswünsche kosten. Genau hier entstehen die meisten Konflikte.

4. Erfolgsbasierte Modelle: verlockend, aber mit Haken

Bezahlung nach Leads, Verkäufen oder Werbebudget-Anteil. Klingt fair, weil die Agentur ins Risiko geht.

Vorteil: Anreize sind theoretisch gleichgerichtet.
Nachteil: Erfolg im Marketing hat viele Väter. Wenn dein Vertrieb Leads nicht nachfasst, kann die beste Agentur nichts verrechnen, also kalkuliert sie Risikoaufschläge ein. Und reine Prozentmodelle aufs Werbebudget belohnen hohe Ausgaben, nicht gute Ergebnisse.
Worauf achten: Erfolgskomponenten funktionieren als Zusatz auf einer fairen Grundvergütung, selten als Gesamtmodell.

Was ein realistisches Budget für KMU bedeutet

Zur Einordnung hilft ein Blick auf die große Linie: Unternehmen geben im Schnitt 7,7 Prozent ihres Umsatzes für Marketing aus (Quelle: Gartner, 2024). Ein Betrieb mit zwei Millionen Euro Umsatz läge damit bei rund 150.000 Euro im Jahr für alles: Personal, Werbebudget, Agentur, Messen, Drucksorten.

Du musst diese Benchmark nicht erfüllen. Aber sie zeigt eine Wahrheit, die viele Angebote realistischer einordnet: Wer für die komplette digitale Präsenz seiner Firma 500 Euro im Monat einplant, kauft keine Wirkung, sondern ein Feigenblatt. Dann ist es ehrlicher, das Geld zu sparen oder in einen einzigen, gut gemachten Baustein zu stecken.

Warum Preisunterschiede oft Leistungsunterschiede sind

Zwei Angebote für Social-Media-Betreuung: eines um 800 Euro, eines um 2.500 Euro im Monat. Abzocke? Selten. Meist vergleichst du zwei verschiedene Produkte:

  • Wer produziert? Recycelt die Agentur deine zugelieferten Fotos, oder kommt ein Kamerateam monatlich in deinen Betrieb?
  • Wer denkt? Gibt es eine Strategie, Themenplanung und laufende Auswertung, oder werden nur Postings hochgeladen?
  • Wer antwortet? Ist Community Management enthalten, also das Beantworten von Kommentaren und Nachrichten?
  • Wie viel Erfahrung steht dahinter? Junioren sind günstiger als Leute, die schon hundert Kampagnen gesehen haben. Das ist okay, solange du weißt, was du bekommst.

Die richtige Frage ist also nie „Warum ist das so teuer?“, sondern „Was genau ist da drin?“. Ein gutes Angebot beantwortet das, bevor du fragst.

Deine Checkliste fürs nächste Angebotsgespräch

  1. Lass dir jede Pauschale in konkrete Leistungen aufschlüsseln: Stückzahlen, Drehtage, Schleifen, Reporting.
  2. Frag nach dem Stundensatz, auch bei Pauschalen. So kannst du Angebote vergleichbar machen.
  3. Kläre Vertragslaufzeit und Kündigungsfristen. Seriös sind drei bis sechs Monate Mindestlaufzeit bei laufender Betreuung, denn Marketing braucht Anlauf. Misstrauisch machen sollten dich 24 Monate ohne Ausstiegsoption.
  4. Frag, was NICHT enthalten ist. Werbebudgets, Lizenzkosten, Fremdleistungen wie Fotografen: Die ehrliche Antwort auf diese Frage sagt viel über die Agentur.
  5. Rechne in Ergebnissen, nicht in Stunden. 2.000 Euro im Monat sind viel für hübsche Kacheln und wenig für einen Kanal, der laufend Bewerber und Anfragen bringt.

Am Ende gilt bei Agenturpreisen dasselbe wie bei jedem Handwerk: Die billigste Offerte ist selten die günstigste. Bezahlt wird immer, entweder die Rechnung der guten Agentur oder die Wirkungslosigkeit der billigen. Wenn du wissen willst, wie ein transparentes Angebot aussieht, wirf einen Blick auf unsere Arbeit als Marketing-Agentur in Graz.

Häufige Fragen

Was kostet eine Online-Marketing-Agentur pro Stunde?
In Österreich liegen die marktüblichen Stundensätze zwischen 90 und 160 Euro, im Schnitt rund 130 Euro (Quelle: Agenturfinder, 2026). Der Satz variiert nach Agenturgröße, Spezialisierung und Standort. Deutlich niedrigere Sätze deuten meist auf wenig Erfahrung hin, denn im Stundensatz stecken alle Kosten einer professionellen Dienstleistung.

Welches Preismodell ist für KMU am sinnvollsten?
Für laufende Betreuung hat sich die monatliche Pauschale mit klar definiertem Leistungsumfang bewährt, für abgegrenzte Vorhaben wie Websites oder Kampagnen der Projektpreis. Wichtig ist in beiden Fällen eine präzise Leistungsbeschreibung: Stückzahlen, Korrekturschleifen und Reporting müssen schriftlich festgehalten sein.

Warum sind die Preisunterschiede zwischen Agenturen so groß?
Weil hinter ähnlich klingenden Angeboten verschiedene Produkte stecken. Entscheidend ist, ob Content eigens produziert wird, ob Strategie und Auswertung enthalten sind, ob Community Management dazugehört und wie erfahren das Team ist. Vergleiche deshalb nie nur Preise, sondern immer die aufgeschlüsselten Leistungen dahinter.

Wie viel Marketingbudget sollte ich insgesamt einplanen?
Als Orientierungswert geben Unternehmen im Schnitt 7,7 Prozent ihres Umsatzes für Marketing aus (Quelle: Gartner, 2024). KMU liegen oft darunter, sollten ihr Budget aber bündeln: Ein konsequent finanzierter Kanal bringt mehr als fünf unterdotierte. Bei sehr kleinen Budgets ist ein einzelner gut gemachter Baustein die ehrlichste Lösung.

Quellen

  • Agenturfinder, 2026: https://agenturfinder.com/werbeagentur-preise/
  • Gartner, 2024: https://www.gartner.com/en/newsroom/press-releases/2024-05-13-gartner-cmo-survey-reveals-marketing-budgets-have-dropped-to-seven-point-seven-percent-of-overall-company-revenue-in-2024

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