Es gibt einen Satz, den wir in Erstgesprächen öfter hören, als uns lieb ist: „Für eine Agentur ist bei uns leider kein Geld da.“ Gesagt von Betrieben, die im selben Jahr fünfstellige Beträge in Anzeigen gesteckt haben. Anzeigen, die so aussahen: ein Produktfoto vor weißem Hintergrund, ein Logo, vielleicht noch ein „Jetzt anfragen!“. Und dahinter Monat für Monat Werbebudget.

Das Geld ist also da. Es wird nur an der teuersten Stelle ausgegeben, die das Marketing zu bieten hat: bei der Verstärkung von Inhalten, die niemanden interessieren.

Reden wir darüber, warum diese Kombination – lebloses Produktfoto plus Werbung mit Budget – so verlässlich Geld vernichtet. Und was mit derselben Summe möglich wäre.

Warum das Produktfoto in der Werbung so wenig bewirkt

Ein Produktfoto beantwortet genau eine Frage: Wie schaut das Ding aus? Das ist nützlich im Webshop, im Katalog, auf der Preisliste. Dort suchen Menschen aktiv nach dieser Information.

Im Feed ist die Lage eine andere. Dort sucht niemand dein Produkt. Dort sitzen Menschen, die unterhalten, berührt oder überrascht werden wollen, und wischen im Sekundentakt an allem vorbei, was nach Werbung riecht. Ein Produktfoto mit Logo ist das eindeutigste Werbesignal, das es gibt. Es löst den ältesten Reflex des modernen Menschen aus: weiterwischen.

Die Zahlen dazu sind ernüchternd. Kreative Qualität ist laut Nielsen für rund 47 Prozent der Verkaufswirkung einer Werbekampagne verantwortlich – der mit Abstand größte Einzelfaktor, deutlich vor Reichweite, Targeting und Frequenz (Quelle: Nielsen Catalina Solutions, 2017). Wer beim Inhalt spart, halbiert also die Wirkung jedes einzelnen Euros, der danach in Media fließt. Und große Werbetreibende schätzen selbst, dass die falsche Kreation etwa in einem Viertel der Fälle an die falschen Menschen ausgeliefert wird (Quelle: ANA/Marketing Charts, 2023). Das Budget arbeitet, aber es arbeitet ins Leere.

Die Rechnung, die niemand aufmacht

Nehmen wir einen typischen Fall aus der Praxis, gerundet und anonymisiert. Ein steirischer Betrieb schaltet Meta-Anzeigen: 800 Euro Monatsbudget, zwölf Monate lang. Macht 9.600 Euro im Jahr. Die Sujets: Produktfotos aus dem Katalog.

Was passiert mit diesem Geld?

  • Die Anzeigen werden ausgeliefert, aber kaum jemand bleibt hängen. Die Plattform registriert das Desinteresse und verrechnet höhere Kontaktpreise, denn Meta belohnt Inhalte, mit denen Menschen interagieren, und bestraft die anderen.
  • Es entsteht kein organischer Nebeneffekt. Niemand teilt ein Produktfoto, niemand speichert es, niemand redet darüber. Jede Reichweite ist gekauft, keine geschenkt.
  • Es bleibt nichts übrig. Nach zwölf Monaten existiert kein Inhalt, der weiterarbeitet, keine Geschichte, kein Wiedererkennungswert. Das Budget ist weg, die Marke steht exakt dort, wo sie vorher stand.

Jetzt die Gegenrechnung. Dieselben 9.600 Euro, anders verteilt: Ein Teil fließt in die Entwicklung und Produktion echter Inhalte – Menschen aus dem Betrieb, Geschichten hinter dem Produkt, Formate, die man gern anschaut. Der Rest verstärkt genau die Inhalte, die sich organisch bewährt haben. Plötzlich arbeitet jeder Media-Euro für einen Inhalt, der von sich aus funktioniert. Das ist der Unterschied zwischen Geld ausgeben und Geld investieren.

„Für eine Agentur ist kein Geld da“ stimmt also selten. Meistens müsste der Satz heißen: Das Agenturgeld steckt schon im Mediabudget. Es wird nur gerade dafür verwendet, Desinteresse zu skalieren.

Warum dieser Denkfehler so verbreitet ist

Wenn die Rechnung so eindeutig ist – warum machen es dann so viele Betriebe genau falsch herum? Weil die beiden Ausgaben sich unterschiedlich anfühlen, obwohl sie aus demselben Topf kommen.

Das Mediabudget fühlt sich wie eine Investition an. Es gibt ein Dashboard, Zahlen, Reichweiten, das Gefühl von Kontrolle. Man kann es monatlich dosieren, jederzeit stoppen, niemand muss sich festlegen. Die Agentur dagegen fühlt sich wie ein Fixkostenblock an: ein Vertrag, ein Honorar, Menschen, denen man vertrauen muss, ein Ergebnis, das erst entstehen wird. Der Verstand weiß, dass Wirkung aus Inhalten kommt. Das Bauchgefühl bucht trotzdem lieber die Anzeige, weil sie sich risikoärmer anfühlt.

Dazu kommt ein zweiter Effekt: Die Plattformen machen das Schalten absichtlich kinderleicht. Drei Klicks, Budget rein, Kampagne läuft. Für die Erstellung guter Inhalte gibt es diesen Drei-Klick-Knopf nicht – sie verlangt Nachdenken, Entscheidungen, Menschen vor der Kamera. Der Weg des geringsten Widerstands führt also immer zur Anzeige mit dem vorhandenen Produktfoto. Bequemlichkeit verkleidet sich als Strategie.

Und schließlich ist da die Verwechslung von Aktivität mit Wirkung: Wer Anzeigen schaltet, „macht Marketing“. Es laufen Kampagnen, es gibt Reportings, im Meeting ist etwas herzuzeigen. Dass die Zahlen seit Monaten dasselbe traurige Bild zeigen, geht in der Routine unter. Der Betrieb ist beschäftigt, nicht sichtbar – und der Unterschied fällt erst auf, wenn man ihn sucht.

Woran du erkennst, dass du gerade Budget verbrennst

Vier Warnsignale, die du in deinem Werbeanzeigenmanager selbst prüfen kannst:

  1. Deine Klickrate liegt im Promillebereich. Wenn von tausend Menschen nur eine Handvoll reagiert, sagt dir die Zielgruppe sehr deutlich, was sie von deinem Sujet hält.
  2. Deine Kontaktpreise steigen schleichend. Gleiche Zielgruppe, gleiches Budget, aber immer weniger Reichweite? Die Plattform stuft deine Inhalte als uninteressant ein und lässt dich dafür zahlen.
  3. Ohne Budget herrscht Totenstille. Sobald du die Kampagne pausierst, passiert auf deinen Kanälen gar nichts mehr. Das heißt: Es gab nie Interesse, nur Bezahlung.
  4. Du kannst dich an deine eigene Anzeige nicht erinnern. Ernsthaft: Beschreib dein aktuelles Sujet aus dem Gedächtnis. Wenn es dir schwerfällt – warum sollte es einem Fremden leichter fallen?

Was mit demselben Geld möglich wäre

Der Punkt ist nicht, dass Werbebudget schlecht wäre. Der Punkt ist die Reihenfolge. So sieht die gesunde Version aus:

Zuerst der Inhalt. Was ist die Geschichte hinter dem Produkt? Wer im Betrieb kann sie erzählen? Was zeigt ihr, das sonst niemand zeigen kann? Das kostet Denkarbeit und Produktionszeit, ja. Aber es ist der Teil, der die halbe Wirkung ausmacht.

Dann der Test. Inhalte organisch posten und beobachten, was das Publikum wirklich hält. Sehdauer, Shares, Kommentare. Das Publikum stimmt täglich ab, gratis.

Erst dann das Budget. Verstärkt wird, was bewiesen hat, dass es funktioniert. So wird aus dem Werbebudget ein Multiplikator mit bekanntem Ergebnis, keine Wette auf ein Produktfoto.

Ein Betrieb, der diese Reihenfolge einhält, gibt oft nicht mehr Geld aus als vorher. Er bekommt nur endlich etwas dafür: Aufmerksamkeit, Erinnerung, Anfragen. Und Inhalte, die auch nächstes Jahr noch da sind.

Noch ein Wort zur Sorge, die an dieser Stelle oft auftaucht: „Aber unser Produkt muss doch vorkommen!“ Natürlich kommt es vor. Der Unterschied liegt in der Rolle. Im Produktsujet ist das Produkt der Hauptdarsteller eines Films, den niemand schauen will. Im guten Content ist es Teil einer Geschichte, die Menschen freiwillig anschauen – die Wurst in den Händen des Fleischermeisters, die Maschine im Moment, in dem sie zum ersten Mal läuft, das Produkt im Alltag des Kunden. Verkauft wird am Ende in beiden Fällen. Nur schaut im zweiten Fall jemand zu.

Das lieblose Produktsujet mit Budget dahinter bleibt trotzdem der Standard in vielen Feeds, auch in Graz und Umgebung. Für dich ist das eine gute Nachricht: Die Messlatte hängt niedrig. Wenn du sie überspringen willst, helfen wir dir gern – als Marketing-Agentur, die zuerst rechnet und dann gestaltet.

Häufige Fragen

Warum funktionieren Produktfotos als Werbeanzeigen so schlecht?
Weil sie im Feed als reine Werbung erkannt und sofort weggewischt werden. Ein Produktfoto liefert weder eine Geschichte noch einen Grund, stehen zu bleiben. Plattformen registrieren das Desinteresse und liefern solche Anzeigen teurer und schlechter aus.

Wie viel trägt die Kreation zum Erfolg einer Kampagne bei?
Laut Nielsen ist die kreative Qualität für rund 47 Prozent der Verkaufswirkung von Werbung verantwortlich – mehr als Targeting, Reichweite und Frequenz. Wer beim Inhalt spart, entwertet damit jeden Euro, der anschließend in Werbebudget fließt.

Was soll ich schalten, wenn nicht Produktfotos?
Inhalte, die auch ohne Budget funktionieren würden: Menschen aus dem Betrieb, Einblicke in die Arbeit, Geschichten rund ums Produkt, echte Anwendungen. Die Regel ist einfach: Verstärkt wird nur, was organisch bereits Interesse bewiesen hat.

Ist eine Agentur nicht teurer als selbst geschaltete Anzeigen?
Auf dem Papier ja, in der Praxis oft umgekehrt. Selbst geschaltete Anzeigen mit schwachen Sujets verbrennen laufend Budget ohne Ergebnis. Eine gute Agentur sorgt dafür, dass derselbe Geldeinsatz Inhalte verstärkt, die nachweislich wirken – das Geld wandert von der Streuung in die Substanz.

Quellen

  • Nielsen Catalina Solutions, 2017: https://www.nielsen.com/insights/2017/when-it-comes-to-advertising-effectiveness-what-is-key/
  • ANA/Marketing Charts, 2023: https://www.marketingcharts.com/advertising-trends/creative-and-formats-231137

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