Instagram, weil man das halt macht. Facebook, weil es schon immer da war. LinkedIn, weil der Steuerberater gesagt hat, da muss man hin. TikTok, weil die Jungen dort sind. Newsletter, weil der auf jeder Konferenz empfohlen wird. Und die Website sowieso.
Sechs Kanäle. Ein Betrieb. Eine Person, die das alles „mitmacht“, meistens am Abend. Das Ergebnis kennt jeder, der so arbeitet: Auf jedem Kanal ein bisschen was, auf keinem etwas Gutes. Der letzte Beitrag drei Wochen alt, die Qualität schwankend, die Reichweite ein Trauerspiel. Überall anwesend, nirgendwo präsent.
Der Denkfehler: Sichtbarkeit durch Fläche
Hinter dem Kanal-Sammeln steckt eine nachvollziehbare Angst: etwas zu verpassen. Die Kunden könnten ja dort sein. Stimmt sogar, sie sind fast überall: Internetnutzer verwenden im Schnitt 6,75 verschiedene Social-Media-Plattformen pro Monat (Quelle: DataReportal, 2025). Aber daraus folgt nicht, dass du auf allen sein musst. Es folgt das Gegenteil: Weil deine Kunden ohnehin auf mehreren Plattformen unterwegs sind, genügt es, sie auf einer davon richtig zu erreichen.
Sichtbarkeit entsteht nämlich nicht durch Fläche, sondern durch Frequenz und Qualität am selben Ort. Zehn gute Beiträge auf einem Kanal schlagen dreißig lieblose auf sechs. Der Algorithmus jeder Plattform belohnt Konten, die regelmäßig und gut liefern, und bestraft Gelegenheitsposter. Wer sich auf sechs Kanäle verteilt, ist auf sechs Plattformen ein Gelegenheitsposter.
Was Kanal-Streuung wirklich kostet
Rechnen wir kurz. Jeder Kanal kostet dich nicht nur die Beiträge. Er kostet:
- Produktionszeit in jeweils eigenem Format: Hochformat hier, Text dort, Video da.
- Denkzeit: jede Plattform hat eigene Logik, eigene Tonalität, eigene Trends.
- Betreuungszeit: Kommentare, Nachrichten, Community.
- Qualitätsverlust überall, weil nichts davon konzentriert passiert.
Die versteckteste Kostenstelle aber ist der Vergleich: Auf jedem Kanal trittst du gegen Anbieter an, die dort ihren Schwerpunkt haben. Deren fünfter Beitrag pro Woche steht neben deinem fünften Beitrag pro Quartal. Rate, wer kompetenter wirkt.
Dazu kommt der Preis im Kopf: Sechs Kanäle bedeuten sechs offene Baustellen im Hinterkopf, sechs schlechte Gewissen, sechsmal das Gefühl, hinterherzuhinken. Viele Unternehmer empfinden ihr Marketing als Last, dabei ist nicht das Marketing die Last, sondern die Zersplitterung. Wer auf zwei Kanäle reduziert, berichtet fast immer dasselbe: Es fühlt sich zum ersten Mal machbar an. Und was sich machbar anfühlt, wird auch gemacht.
So findest du deine ein bis zwei richtigen Kanäle
Die Auswahl ist keine Geschmacksfrage, sondern die Schnittmenge aus drei Fragen:
1. Wo sind deine Kunden in Kauflaune?
Nicht: wo sind sie überhaupt. Sondern: wo sind sie in dem Modus, in dem dein Thema stattfindet? Beispiel aus der Praxis: Ein steirischer Maschinenbauer, der Geschäftsführer erreichen will, findet die auf LinkedIn im Arbeitsmodus, nicht auf TikTok in der Unterhaltung. Der Friseursalon lebt von lokaler Optik, also Instagram. Der Notdienst-Installateur wird gegoogelt, also Google-Unternehmensprofil und Suchmaschinenpräsenz vor allem anderen.
2. Was kannst du glaubwürdig liefern?
Ein Kanal ist nur so gut wie das, was du regelmäßig hineingeben kannst. Wer gern redet und zeigt, ist im Video stark. Wer gut schreibt, im Newsletter oder auf LinkedIn. Wer keine Zeit für tagesaktuellen Content hat, fährt mit einer exzellenten Website und Google-Bewertungen besser als mit jedem Feed. Der beste Kanal ist der, den du in zwölf Monaten noch bespielst.
3. Was zeigen deine Zahlen?
Frag deine letzten zehn Kunden, wie sie auf dich gekommen sind. Meistens zeigt sich: Ein oder zwei Wege bringen fast alle Anfragen, der Rest ist Beschäftigungstherapie. Diese ein, zwei Wege sind deine Kandidaten für mehr Budget und mehr Sorgfalt.
Wenn alle drei Fragen auf denselben Kanal zeigen, ist die Entscheidung gefallen. Wenn sie sich widersprechen, gewinnt die dritte: Echte Kundenherkunft schlägt Theorie und Vorliebe. Ein Kanal, der nachweislich Aufträge bringt, verdient den Vorzug vor einem, der sich nur gut anfühlt.
Kanäle streichen, ohne etwas zu verlieren
Jetzt der Teil, der Überwindung kostet: das Aufgeben. Drei Regeln machen es leichter:
Streichen heißt parken, nicht löschen. Das Profil bleibt bestehen, ordentlich befüllt, mit Verweis auf die aktiven Kanäle. Niemand nimmt Schaden, wenn dort nichts Neues erscheint. Schaden nimmt nur, wer halbherzig weiterwurstelt.
Erst verstärken, dann erweitern. Die frei gewordene Zeit fließt komplett in die verbleibenden Kanäle: bessere Beiträge, höhere Frequenz, echte Interaktion. Erst wenn ein Kanal stabil läuft und nachweislich Anfragen bringt, darf über einen neuen nachgedacht werden. Einer nach dem anderen, wie beim Hausbau.
Einmal produzieren, mehrfach verwenden bleibt erlaubt. Wer ein gutes Video für den Hauptkanal produziert, darf es selbstverständlich auch am Zweitkanal zeigen. Der Unterschied zur Streuung: Die Denkarbeit passiert für einen Kanal, die anderen bekommen die Zweitverwertung. Das ist Effizienz, keine Verzettelung.
Und wenn das Bauchweh beim Streichen zu groß ist, hilft ein Zeitlimit: Gib dem Wackelkandidaten drei Monate mit einem konkreten Ziel, etwa einer messbaren Anfrage pro Monat. Erreicht er es, bleibt er. Erreicht er es nicht, ist die Entscheidung keine Meinungsfrage mehr, sondern ein Messergebnis. Gegen Zahlen lässt sich schwer nostalgisch argumentieren.
So läuft der Umstieg: von sechs Kanälen auf zwei in vier Wochen
Ein realistischer Fahrplan für den Wechsel von der Streuung zur Konzentration:
Woche 1: Bestandsaufnahme. Alle Kanäle auflisten, pro Kanal drei Zahlen: Stunden pro Monat, Kosten pro Monat, nachweisbare Anfragen der letzten zwölf Monate. Dazu die Herkunftsfrage an die letzten zehn Kunden. Am Ende der Woche ist meist glasklar, welche zwei Kanäle bleiben.
Woche 2: Entscheidung und Aufräumen. Die Schwerpunktkanäle festlegen und die übrigen Profile parken: aktuelles Profilbild, korrekte Kontaktdaten, ein fixierter Beitrag, der auf die aktiven Kanäle verweist. Das dauert pro Profil eine halbe Stunde und sieht besser aus als jeder halbtote Feed.
Woche 3: Das neue Pensum definieren. Für die verbleibenden Kanäle ein realistisches Wochenprogramm festlegen, inklusive fixem Produktionstermin im Kalender. Faustregel: Das Pensum muss auch in der stressigsten Woche des Jahres haltbar sein, sonst ist es zu hoch angesetzt.
Woche 4: Qualität hochfahren. Die frei gewordene Zeit sichtbar investieren: bessere Bilder, durchdachtere Texte, echte Antworten auf Kommentare und Nachrichten. Genau hier entsteht der Effekt, für den sich der ganze Umbau lohnt: Der Kanal beginnt zu arbeiten, weil er endlich ernst genommen wird.
Nach diesen vier Wochen hast du weniger To-dos und mehr Wirkung. Der seltene Fall, in dem beides gleichzeitig geht.
Der Mut zur Lücke ist der eigentliche Vorteil
Es wird immer jemanden geben, der fragt, warum ihr nicht auf TikTok seid. Die Antwort darf selbstbewusst sein: weil wir dort, wo wir sind, zu den Besten gehören wollen. Gerade für KMU in Graz und der Steiermark, wo Marketing oft nebenher passieren muss, ist Konzentration kein Sparprogramm. Sie ist die einzige realistische Art, gegen größere Budgets zu bestehen: Auf einem Kanal kannst du der auffälligste Anbieter deiner Region sein. Auf sechs Kanälen bist du sicher Durchschnitt.
Weniger Kanäle bedeutet nicht weniger Marketing. Es bedeutet, dass deine Energie endlich irgendwo ankommt. Wenn du wissen willst, welche Kanäle bei dir die Arbeit verdienen und welche nur Zeit fressen: Wir schauen uns das als Marketing-Agentur in Graz gemeinsam an.
Häufige Fragen
Wie viele Marketingkanäle soll ein KMU bespielen?
Ein bis zwei Kanäle, die konsequent und in guter Qualität laufen, plus eine solide Website und ein gepflegtes Google-Unternehmensprofil als Basis. Mehr Kanäle zahlen sich erst aus, wenn die bestehenden nachweislich Anfragen bringen und Ressourcen für gleichbleibende Qualität vorhanden sind.
Welcher Marketingkanal ist der richtige für mein Unternehmen?
Der Kanal an der Schnittmenge von drei Fragen: Wo ist deine Zielgruppe im passenden Modus unterwegs? Was kannst du dauerhaft und glaubwürdig liefern? Und welche Wege haben laut deinen eigenen Zahlen bisher Kunden gebracht? Lokale B2C-Betriebe landen oft bei Instagram und Google, B2B-Anbieter häufig bei LinkedIn und der eigenen Website.
Soll ich alte Social-Media-Profile löschen, wenn ich mich fokussiere?
Nein, parken genügt: Profil ordentlich befüllen, auf die aktiven Kanäle verweisen und nicht mehr aktiv bespielen. Ein ruhendes, gepflegtes Profil schadet niemandem. Was schadet, ist ein halbtoter Kanal mit monatelangen Lücken, der Besuchern signalisiert, dass hier generell wenig los ist.
Ist es nicht riskant, von einem einzigen Kanal abhängig zu sein?
Das Risiko ist real, deshalb gilt: ein Schwerpunktkanal plus eigene, unabhängige Basis. Website, Google-Profil und idealerweise eine E-Mail-Liste gehören dir und können nicht durch eine Algorithmus-Änderung verschwinden. Wer das Fundament besitzt, kann sich die Konzentration auf einen Mietkanal leisten.
Quellen
- DataReportal, 2025: https://datareportal.com/social-media-users

